Wandern mit Kind: Hiking mit Herausforderungen

Beim Wandern mit Kindern sind die Steigungen der Berge nicht immer die größte Herausforderung. Trotzdem sind diese (neuen) Erfahrungen unbezahlbar – für Eltern und Kinder.
Familie beim wandern

Silke rennt Max hinterher. Einmal fällt der 4-jährige Sohn fast in den kalten See, ein anderes Mal will er die Schafe auf der Alm zurück ins Tal treiben. Die Brotzeit auf dem Gipfel wird zwischen Silkes „Vorsicht! Nicht-da-runter“-Rufen und Papa Johannes‘ drohendem Zeigefinger heruntergeschlungen, während der Ausblick genossen wird. Ausblick? Welcher Ausblick? Dafür hatten alle drei kein Auge.

Wandern mit Kindern ist anders. Wandern mit Kindern ist eine Herausforderung. Wandern mit Kindern macht aber auch viel Spaß. Das Wichtigste dabei? Die richtige Planung! Dann sind die fröhlichen Family-Pics bei Instagram nicht nur kurze Momentaufnahmen zwischen Hunger-Pipi-Durst-Quengeleien. Denn die werden kommen.

Erste Wanderung mit Kind: Die richtige Zeit

Es gibt kein Patentrezept, wann ihr das erste Mal mit eurem Nachwuchs auf große Hiking Tour gehen solltet. Hört auf euer Bauchgefühl. Ein paar Fragen zur Unterstützung: Kann mein Kleinkind frei sitzen und den Kopf halten, so dass es in der Kraxe (Kindertrage) alleine zurechtkommt? Dann steht der ersten Wanderung nichts im Weg.

Viele Kinder mögen das Schaukeln auf Mamas oder Papas Rücken sogar und schlafen dabei ein. Achtet in der Trage darauf, dass das Kind nicht auskühlt. Da es sich nicht selbst bewegt, kann das schnell passieren – insbesondere, wenn es Richtung Gipfel geht.

Vater mit Kind in der Kraxe beim Wandern
In einer Kraxe können schon die Kleinen mit auf den Berg

Denkt daran, dass die Kraxe mit Kind auf Dauer ganz schön schwer werden kann. Mehr als 14 Kilo sind über längere Zeit nicht zu empfehlen. Auch der Wanderpartner trägt in seinem Trekkingrucksack mehr Gewicht als üblich, da Proviant, Kleidung und Co. für mehrere Familienmitglieder transportiert werden müssen. Beachtet dies bei eurer Tourenplanung. Eine Wanderung mit Kinderwagen ist beschwerlich. Wenn ihr es dennoch wagen wollt, googelt nach „kinderwagenfreundlichen Wanderwegen“ – viele Regionen haben Informationen dazu zusammengestellt.

Etwa ab dem 3. Lebensjahr könnt ihr prüfen, ob euer Kind alt und fit genug ist, eine gewisse Strecke zu laufen, ohne zu müde zu werden. Laut Empfehlungen des Deutschen Alpenvereins sind Kinder ab zehn Jahren ausdauernd genug für größere Herausforderungen und können sogar mehrtägige Wanderungen mitmachen. Eine Hüttenübernachtung oder leichte Kletterpassagen sind eine willkommene Abwechslung.

Tourenplanung mit Kind: Die richtige Strecke

Die Streckenplanung ist beim Wandern mit Kindern das A und O. Je jünger die Kinder, desto kürzer sollte die Strecke sein. Als Faustformel gilt: Alter des Kindes * 1,5 = maximale Streckenlänge.

Beachtet dabei, dass Kinder viel mehr „Strecke machen“ als Erwachsene. Da wird vor- und zurückgelaufen oder noch über die angrenzende Wiese gesprintet. Deshalb – und weil man mit Kindern deutlich mehr Pausen einplanen muss – denkt bei der Auswahl eurer Wanderstrecke daran, die angegebene Gehzeit locker zu verdoppeln.

Kinder in der Bergbahn
Die Bergbahn ist ein guter Plan B bei müden Kinderbeinen

Insbesondere für die ersten Wanderversuche gilt der Insidertipp: Wählt eine Route mit „Fluchtweg“. Sollte das Gejammer zu groß werden, hilft es, wenn man die Strecke abkürzen oder für den Rest des Weges auf ein öffentliches Verkehrsmittel zurückgreifen kann.

Extra-Programm für Kids

Silkes wichtigster Tipps für alle wandernden Mamas und Papas: „Sucht euch abwechslungsreiche Routen! Sobald es eine Zeitlang nur geradeausgeht, langweilt sich Max“, erklärt sie. „Am meisten Spaß machen ihm Wanderrouten mit Bachläufen, Hindernissen, vorbei an Wildtiergehen oder Bauernhöfen.“ Packt eine Lupe oder ein Fernglas ein, dann gibt es noch mehr zu entdecken.

Etwa jede Stunde solltet ihr einen kurzen Break einplanen, um etwas zu trinken, ein paar Kekse zu naschen und Pipi zu machen. Achtet auch hier darauf, dass es für die Kinder etwas zu entdecken gibt. Ein Spielplatz ist immer ein guter Pausenplatz.

Wenn es warm genug ist, bietet sich ein Zwischenstopp zum Baden an. Auch mit Spielen kann man die Kids bei Laune halten: Vogelstimmen erraten, Figurenbasteln aus Kastanien oder „Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst“-Rätsel.

Vater und Sohn mit Fernglas beim Wandern
Ein Fernglas sorgt bei so machem Wandermuffel für Abenteuerlust

Geocaching: Schatzsuche für Wandermuffel

Für größere Kinder ist Geocaching eine tolle Alternative. Die digitale Schatzsuche funktioniert über das Smartphone. Entlang des Weges müssen versteckte Gegenstände (die Schätze) gefunden werden. Ihr meldet euch dafür einfach auf der Webseite geocaching.com an, wählt aus, welchen „Cache“ ihr suchen wollt und los gehts. Wer den Schatz gefunden hat, darf sich ins Logbuch eintragen. Ihr werdet euch wundern, wo die „Caches“ überall versteckt sind.

Highlight: Wanderung mit Hüttenübernachtung

Wenn ihr die erste Hüttentour plant, hilft es, zu überlegen, ob euer Kind durchschläft und essen kann, was Erwachsene essen (macht die Versorgung auf der Hütte einfacher). Aber auch hier gilt: probiert es aus. Für Silke und Johannes ging es mit Max bereits im Alter von drei Jahren auf die Hütte. Und sie haben es nicht bereut. „Max hat auf der Hütte geschlafen wie ein Baby“, sagt Silke und lacht.

Insgesamt gilt beim Wandern mit Kind mehr denn je: Der Weg ist das Ziel. Früher ging es Silke und Johannes eher um den sportlichen Aspekt, heute um die gemeinsame Zeit in der Natur als Familie.

Diese Beiträge könnten dich auch noch interessieren