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Merinowolle & Co. - welche Funktionsstoffe dir das Sportleben erleichtern

Ganz klar – im Sportbereich sind atmungsaktive, temperaturregulierende Stoffe essenziell. Kein Wunder also, dass sich die äußerst leistungsfähige Merinowolle als DIE Naturfaser schlechthin durchgesetzt hat. Was sie kann, welche Funktionsstoffe es noch gibt und wofür du welche Materialien am besten verwendest, erfährst du hier.

AM 14.10.2021 

Ortovox Merinowolle Tasmanien
Foto © Ortovox

Egal bei welcher Sportart, ob Outdoor oder Indoor – du solltest dich auf jeden Fall mit den Inhaltsstoffen deiner Funktionskleidung auseinandersetzen. Denn so kannst du u.a. ausmachen, wie atmungsaktiv, geruchsneutral, wasserabweisend oder temperaturregulierend dein Produkt und so wie angenehm dein Tragekomfort beim Sport sein wird. Außerdem kannst du das Kleidungsstück so besser auf Nachhaltigkeit beurteilen und möglichen Unverträglichkeiten gegen Inhaltsstoffen vorbeugen. Schauen wir uns diese und andere Funktionsstoffe doch einmal genauer an…

Naturmaterialien

Merinowolle: Das Multitalent unter den Outdoormaterialien

Merino ist ein Naturmaterial und wird aus der Wolle der Merinoschafe gewonnen, die größtenteils in Australien, Neuseeland oder Südafrika zu Hause sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schafen, können Merinoschafe zu jeder Jahreszeit bei extremen Wetterbedingungen draußen leben. Nicht zuletzt verdanken sie dies der Beschaffenheit ihres Fells – und genau das führt auch zur sagenumwobenen Funktionalität der Merinowolle…

Die wichtigsten Eigenschaften der Merinowolle:

  • Geringes Gewicht durch extra feine und dünne Fasern
  • Exzellente Wärmeregulation: Die Fasern der Naturwolle sind so stark gekräuselt, dass ganz kleine Luft-Zwischenräume entstehen. Dies bildet eine sehr effektive Isolationsschicht vor Kälte aber auch vor Wärme
  • Besonders geruchsarm; Die Merinowolle saugt den Schweiß auf, wie ein Löschblatt und liefert so keinen Boden für geruchsbildende Bakterien. Deshalb ist sie wirklich super geeignet für mehrtägige Wandertouren.
  • Schnelltrocknend
  • Angenehmes Tragegefühl: Die Merinowolle ist sehr weich und kratzt nicht
  • Natürlich nachwachsend, biologisch abbaubar, Zersetzung bereits nach 12 Monaten (Zum Vergleich: Synthetik-Kleidung braucht 30 Jahre oder länger)
Feine Fasern der Merinowolle
Foto © icebreaker

Einsatzgebiet:


Besonders beliebt ist die Merinowolle als Baselayer (Socken, Unterwäsche, T-Shirts), meist auch wirklich zu 100% bestehend aus Merino; bei besonders intensiven Aktivitäten kann ein geringer Elasthan Anteil darin enthalten sein, da Merino alleine oft nicht ganz so strapazierfähig ist.

In geringerem Anteil ist die Merinowolle auch in anderen Layern wie Softshelljacken, Fleecejacken oder Skitourenhosen zu finden.



Achte beim Kauf deines Merinoproduktes jedoch unbedingt darauf, dass dies aus nachhaltiger Produktion stammt – beispielsweise gibt es leider immer noch Praktiken wie Mulesing, wo die Schafe menschenunwürdig behandelt und schmerzhaft verstümmelt werden, um Fliegenmadenbefall zu verhindern. Outdoor-Hersteller wie unter anderem Icebreaker oder Ortovox setzen sich für eine artgerechte Tierhaltung ein.


Entdecke hier unser gesamtes Merino-Sortiment!

Merinoschafe
Foto © icebreaker

Swisswool: Regional, fair, hochwertig

Swisswool stammt – wie der Name bereits verrät – von Schweizer Schafen aus dem Hochgebirge und wurde im Rahmen einer Initiative, um das traditionelle Bergbauerntum zu erhalten, gegründet. Hier genießen die Schafe ganzjährig eine hohe Lebensqualiät, was die Wolle einzigartig und hochfunktional macht. Und auch die Wege zum fertigen Produkt sind kurz – Ortovox beispielsweise fertigt alle Produkte mit Swisswool in Europa und verarbeitet sie zu hochwertigen Isolationsprodukten.

Hier die wichtigsten Eigenschaften auf einen Blick:

  • Die Swisswool-Fasern sind hydrophil – heißt, sie sind feuchtigkeitsregulierend und können bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen. Im Gegensatz zu Daunen wärmt Swisswool auch, wenn das Material nass ist.
  • Swisswool bietet keinen „guten“ Nährboden für Geruchsbakterien und wirkt deshalb geruchsmindernd.
  • Die Swisswool-Isolierungen zeichnen sich durch durchgängige Schichten aus. So wird gegen Kältebrücken vorgebeugt.
  • Swisswool hat, ähnlich wie Merinowolle, ein breites „Temperaturwohlfühlspektrum“, was dazu führt, dass selbst bei großer Wärme noch ein guter Tragekomfort herrscht.

Typisches Einsatzgebiet:
Swisswool eignet sich besonders gut für Isolationsprodukte - also im Zwiebellook die 2. Schicht.

Ortovox Swisswool Schafe Schweizer Hochgebirge
Foto © Ortovox

Daune

Daune gilt als die wärmste Isolationsfaster (Anwendung: Second Layer). In ihrer ursprünglichen Form ist sie sehr leicht und hat einen guten Feuchtigkeitstransport. Bei Nässe kann sie allerdings an Isolationswirkung verlieren, deshalb ist der beste Einsatzbereich bei reinen Daunen wohl bei Kälte, jedoch nicht bei Regen oder zu schweißtreibenden Aktivitäten.

Tierschutz: Achte beim Kauf deines Daunenproduktes jedoch auf ein aussagekräftiges Siegel, welches auf Tierschutz & ethische Standards setzt. Denn manche Daunenprodukte werden immer noch von lebenden Tieren gerupft...

Modal, Lyocell & Tencel

Diese Materialien basieren auf Holz, das in einem Chemischen Verfahren zersetzt, die gewonnene Zellulose aufwendig weiter verarbeitet und zu einem Endlosfaden versponnen wird. Der Herstellungsprozess wurde in der Vergangenheit immer umweltfreundlicher gestaltet, bis hin zur Erzeugung von Lyocell, wo nun für die Lösung der Zellulose nur noch eine Chemikalie verwendet wird, die fast bis komplett vollständig wiederverwendet werden kann. Dadurch steht die Verwendung von Lyocell zum heutigen Tage für besonders nachhaltige, umweltschonende Sportkleidung.

Die Kleidung wird so leicht luftig und kühlend, ist besonders atmungsaktiv, reißfest und saugt sehr gut Feuchtigkeit auf.

Lyocell wird auch oft im Mix mit Merinowolle hergestellt, um den Kühleffekt noch zu vergrößern.

Kunstfasern

Die Grundlagen

Polyester

  • Oft für funktionelle Sportbekleidung oder Funktionsunterwäsche (First Layer) verwendet
  • Trocknet sehr schnelll
  • Sehr leicht
  • Kann auch als Futterstoff der Wärmeisolierung dienen
  • Unverarbeitet geringe Atmungsaktivität und nicht geruchsneutral. Oft wird es jedoch durch bestimmte Veredelungen aufgewertet

Polyamid (leichte Kunstfasern)

  • Oft für funktionelle Sportbekleidung oder Funktionsunterwäsche (First Layer) verwendet
  • Hohe Reißfestigkeit, Elastizität und Scheuerbeständigkeit. Deshalb oft mit anderen Stoffen (z.B. Polyester) kombiniert, für erhöhten Tragekomfort
  • Aber: geringe Wärmeisolation und Feuchtigkeitsaufnahme; kann jedoch ebenso veredelt und so aufgewertet werden

Elasthan

  • Als Kombifaser in geringem Anteil verwendet (<5%)
  • Hohe Dehnbarkeit und Formbeständigkeit für höheren Tragekomfort
  • Schnell trocknend
  • Geringe Feuchtigkeitsaufnahme

Polyacryl

  • Sehr robust und leicht
  • Wärmend
  • Kaum saugend, aber trocknet schnell

Polypropylen

  • Für Funktionsshirts verschiedener Materialstärken
  • Atmungsaktiv; nimmt fast keinen Schweiß auf, wird deshalb kaum nass und trocknet sehr schnell
  • Elastischer als Merinowolle, Polyester (und Baumwolle)
  • Abriebfest und leicht

Primaloft®

PrimaLoft® wird oft als synthetische Alternative zur Daune gesehen. Es besteht aus äußerst feinen Polyester-Mikrofasern, welche für sehr gute Isolationsleistung, auch bei Kälte, sorgen. Anders als Daune, verliert PrimaLoft® nur geringfügig an Isolationsleistung bei Schweiß oder Nässe.


Und auch hier kannst du nachhaltig unterwegs sein: Vaude beispielsweise verwendet hierfür aus PET-Flaschen recyceltes Polyester; in der adidas Myshelter Steppjacke ist recyceltes Plastik aus den Ozeanen enthalten.

Hardshell - Softshell: Aus welchen Stoffen bestehen die Produkte?

Für die dritte Schicht (Hardshelljacken) gibt es spezielle Membranen, die vor Wind und Wetter schützen, und dennoch atmungsaktiv sind..

Dazu gehören:

Softshelljacken oder -hosen können je nach Wetterbedingung und Beschaffenheit als zweite oder dritte Schicht getragen werden. Für die Außenschicht werden meist Kunstfaserstoffe aus Polyester, Polypropylen oder Polyamid hergenommen; für die Innenseite hautverträgliche Velours oder Fleece (welches wiederum aus einer Polyesterverarbeitung hergestellt wird).

Tipps

  1. Für unterschiedliche Zwecke benötigst du unterschiedliche Materialien. Evaluiere genau, welche Eigenschaften dir am wichtigsten sind und achte auf die eben genannten Unterscheidungen: First, Second und Third Layer, und welche Stoffe sich pro Schicht am besten eignen.
  2. Checke vorher, ob du alle enthaltenen Materialien verträgst.
  3. Achte unbedingt auf die Herkunft der Fasern bzw. des Materials. Entspricht die Herstellung ethischen Standards? Ist die Produktion nachhaltig?
  4. Überprüfe den Anteil der nicht-atmungsaktiven Materialien (z.B. Baumwolle). Wenn der Anteil sehr gering ist, kannst du relativ bedenkenlos mit dem Einkauf fortfahren.
  5. Überprüfe den RET- oder MVTR- Wert auf Atmungsaktivität des Materials. Ein Material ab 10.000 g/m²/24h gilt als sehr atmungsaktiv.
Icebreaker Merinoschafe
Foto © icebreaker

Wir hoffen, dass wir dir hiermit einen kleinen ersten Überblick in die komplexe Welt der Funktionsstoffe schaffen konnten. Über Merinowolle berichten wir beispielsweise auch hier noch etwas ausführlicher. Ansonsten – schau doch auch gerne mal im Shop vorbei; hier kannst du nach den verschiedenen Materialeigenschaften filtern! Viel Spaß!

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