So klappt dein Boulder-Einstieg - unser Anfänger Guide

Hat dich das Boulderfieber gerade frisch gepackt? Dann bist du hier richtig. Unser Anfänger-Guide verrät dir alles, was du für den Einstieg wissen musst.
Körperhaltung beim Bouldern
Körper an die Wand drücken / Bild: Am-Fels.de

Bouldern war für mich lange Zeit ein Fremdwort, eine Art Trendsport, den irgendjemand aus dem Bekanntenkreis betrieben hat. Meistens huschte der Begriff immer mal wieder an mir vorbei ohne genau zu wissen was Bouldern eigentlich ist. Der DAV beschreibt Bouldern folgendermaßen: Bouldern (englisch „boulder“ = Felsblock) ist eine Form des Kletterns, bei der ohne Gurt und Seil in Absprunghöhe geklettert wird. In den letzten Jahren hat das Bouldern einen starken Zulauf erhalten und sich zu einer eigenständigen Sportart entwickelt. Der klassische „Boulder“ besteht meist aus nur 4 bis 8 Kletterzügen, die den „Boulderer“ an seine Leistungsgrenze bringen sollen. Nachdem wir das nun geklärt hatten, ging es für mich auch schon mit einem Kumpel (sehr erfahren im Bouldern) zum ersten Boulder Besuch in die Halle. Euphorisch, wie ich manchmal bin, waren im Nu meine Laufschuhe angezogen und ich hing gefühlt schon am ersten Griff. Jedoch war ich genau so schnell wieder unten und wurde schnell eines besseren belehrt. Zusammen mit einem Pro habe ich folgende Dinge gelernt:

Die richtige Boulder-Ausrüstung

Bouldern ist ein sehr minimalistischer Sport. Zieh dir etwas Bequemes an und konzentriere dich auf Kletterschuhe, Chalk und Bürste. Mehr benötigst du zu Beginn nicht. Natürlich nimmt der Schuh eine entscheidende Rolle ein, deshalb ist es wichtig, dass dir der Boulderschuh perfekt passt. Folge diesem Guide für mehr Informationen. Chalk ist übrigens „Kalk“ bzw. Magnesiacarbonat, welches sich als eine Art Wundermittel gegen schwitzige Hände für einen trockenen, festen und sicheren Grip verschrieben hat.

Mach dich mit dem Boulder-Charakter vertraut

Meine erste Überlegung als ich an der Kletterwand stand: Mit voller Kraft voraus. So leider nicht! Bouldern ist eine Kunst und erfordert mehr Denkarbeit als pure Kraft. Natürlich spielt Kraft zweifelsohne eine sehr wichtige Rolle, allerdings geht es eher um das Zusammenspiel zwischen Kraft, Technik und Konzentration. Es geht darum, komplexe Bewegungsabläufe an den Kletterwänden vorab zu „lesen“ und diese dann möglichst kraftsparend zu erklimmen. Erst die Technik, dann die Kraft. Vor allem Boulder-Anfänger, wie ich es bin, sind anfällig für fehlerhafte Selbsteinschätzung. Resultieren können daraus ernste Verletzungen an Schulter oder Rücken. Deshalb mein Tipp: Erst einmal die Fachlektüre im Internet durchstöbern – hier gibt es wirklich hervorragende Blogs, die sich im Detail damit beschäftigen wie beispielsweise Bergzeit oder Am-Fels.

Lerne die Technik

„Hätte ich nur das vorher gewusst…“ So oder so ähnlich geht es wohl jedem Boulder Anfänger. Eine richtige Technik erleichtert dir so einiges – wie immer. Je früher du deshalb anfängst, dir die richtige Klettertechnik beim Bouldern anzugewöhnen, desto schneller wirst du Fortschritte machen. Die richtige Klettertechnik setzt sich grob aus drei Bereichen zusammen: Körperpostion, Griff und Fußeinsatz.

Die richtige Körperhaltung

Als Einsteiger wirst du dich wahrscheinlich am Anfang in erster Linie mit Händen und Füßen nach oben ziehen/drücken – wie ich übrigens. Auch deine Hüfte wird mit einem großen Abstand zur Kletterwand positioniert sein. Auf lange Sicht wird diese Technik allerdings sehr kräftezehrend. Besser ist es, wenn du dich deshalb gleich mit der richtigen Körperhaltung vertraut machst: Lege den Körperschwerpunkt so nah wie möglich an die Wand, sprich du musst dich eindrehen, was bedeutet: Po an die Wand. Oft ist es hilfreich sich einmal in der Halle umzusehen, wie es die gestandenen Boulder Profis machen oder du lässt es dir gleich von einem erfahrenen Boulderer erklären. Da das Eindrehen des Körpers leider nicht instinktiv ist, musst du dich dazu regelrecht zwingen. Je früher du allerdings damit anfängst, desto leichter wird es. Übrigens klappt es jedes Mal ein bisschen besser. :)

Richtige Griff beim Bouldern
Der richtige Griff beim Bouldern / Bild: Am-Fels.de

Der richtige Griff

Falls du auch der Meinung bist, dass mit Kraft alles klappt, dann wirst du im Bouldern nicht lange durchhalten. Vertrau mir, ich hab diese Erfahrungen selbst erlebt. Die Kraft beim Bouldern kommt in erster Linie aus den Beinen. Die meisten Anfänger machen den Fehler sich komplett mit gebeugten Armen an der Wand zu klammern bzw. hochzuziehen. Auf Dauer raubt dies zu sehr Kraft. Stattdessen solltest du lieber deine Arme ausgestreckt lassen, dir in Ruhe einen sicheren Stand für deine Füße suchen und dich dann bequem aus den Beinen nach oben drücken. Diese Technik nennt man am lagen Arm bouldern und es ist für dich zu Beginn völlig gewöhnungsbedürftig. Übrigens wie bei der richtigen Körperposition bereits beschrieben – es klappt jedes Mal besser!

der richtige Fußeinsatz beim Bouldern
Der richtige Fußeinsatz beim Bouldern / Bild: Am-Fels.de

Der richtige Fußeinsatz

Der Trick hierbei ist, dass dein Fuß – wenn möglich – immer im rechten Winkel zur Wand steht und du lediglich deine Fußspitzen zum Klettern nutzt. Natürlich möchtest du deinen ganzen Fuß zur Stabilisation verwenden, weil du ja dadurch eine viel größere Fläche hast. Allerdings haben richtige Boulderschuhe eine verstärkte Spitze, die deinen Tritt sehr unterstützen. Nutze diese und lerne damit umzugehen. Nachdem wir die Basics geklärt haben steht dir einem Boulder-Beginn eigentlich nichts mehr im Wege. Im Folgenden haben wir dir noch wertvolle Tipps erfahrender Boulderer zusammengestellt. Gängige Fehler, die unerfahrende Kletterer häufig oder oder immer gemacht haben.

Der lange Arm beim Bouldern
Bouldern am langen Arm / Bild: Am-Fels.de

Tipp 1: Aufwärmen nicht vergessen!

Bei Minusgraden solltest du auch nicht direkt mit deinem Auto losbrettern. Ähnlich verhält es sich mit deinem Körper. Bevor du die erste Route erklimmst, empfiehlt es sich unbedingt sich davor aufzuwärmen und zu dehnen. Dabei werden die Bänder und Muskeln für die bevorstehenden Aufgaben vorbereitet. Achte besonders die Finger, Handgelenke, Unter- und Oberarme sowie Schultern richtig aufzuwärmen. Wir empfehlen dir ein 15-minütiges Aufwärmprogramm auf den Matten.

Tipp 2: die richtige Route für Anfänger

Wie du vielleicht schon bemerkt hast, besteht eine Boulderhalle voller verschieden farbiger Griffe. Diese unterschiedlichen Farben bilden diverse Schwierigkeitsgrade ab, benannt nach der Fontainebleau-Skala. Am besten startest du direkt mit dem einfachsten Schwierigkeitsbereich, 3 und 4. Meistens steht am Anfang der Kletterhalle eine Infotafel mit allen notwendigen Hinweisen zu Farben und Routen. Prinzipiell solltest du zu Beginn Strecken wählen, die du mit dem sogenannten Obergriff greifen kannst - hier gibt es eine ausführliche Erklärung dazu.

Tipp 3: Routen erst anschauen, dann klettern

Es lohnt sich auf jeden Fall zunächst einen Blick auf die Route zu werfen bzw. die Route im Kopf einmal durchzugehen. Ansonsten kletterst du drauf los und wirst an einen Punkt kommen, wo es nicht mehr weitergeht. Es vergeht Zeit. Und Zeit bedeutet Energie. Und diese ist leider nicht unbegrenzt vorhanden. Versuche deshalb vor dem ersten Griff die Route zu lesen, überleg dir wo Probleme auftreten könnten und wie du diese lösen wirst. Ein kleiner Tipp: Schau erst einmal erfahrenen Bouldern zu.

Tipp 4: Gönn dir Pausen

Wer unterzuckert zum Bouldern geht, kann es gleich sein lassen. Bei Zuckermangel sinkt die Leistungsfähigkeit rapide, da Muskeln nicht mehr mit Energie versorgt werden können. Kurze Pausen sind deshalb nie verkehrt. Für eine Banane oder einen kleinen Powerriegel ist immer Zeit.

Tipp 5: Übertreibe es nicht zu Beginn!

Das Schöne am Bouldern ist, dass du deinen Fortschritt wahrhaftig siehst. Zum einen natürlich an deinem Körper durch den Aufbau von Muskelmasse und zum anderen durch das Begehen neuer Kletterrouten. Wie immer solltest du zu Beginn nicht zu viel wollen, gib dir und deinem Körper Zeit. Steiger dich Schritt für Schritt und vor allem langsam. Lege Wert auf deine Technik, gib nicht jedes Training Vollgas sondern teil die Einheiten in Technik und Krafteinheiten ein. Unterschätzen anstatt überschätzen.

Boulder Ausrüstung

Richtige Schuhe sowie eine Boulder Bag für den Chalk sind unerlässlich fürs Bouldern.

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