Fester Halt für Fuß und Knöchel, auf Geröll, spitzen Felsen und im Matsch: Bergstiefel müssen bei anspruchsvollen Wanderungen auch abseits von befestigten Wege überzeugen!

Bergstiefel bilden die Königsklasse der Outdoorschuhe. In keinem anderen Segment sind die Anforderungen an einen Schuh derart hoch und nirgendwo sonst sind die Konstruktionen derart aufwändig. Hochwertige Bergstiefel werden auch heute noch von Schuhmachern handgefertigt.

Leichte Wanderschuhe versus Bergstiefel

Ca. 200 Arbeitsschritte braucht es, bis ein Bergstiefel bzw. Trekkingschuh fertig ist. Dabei erfordert die Arbeit mit dem Naturprodukt Leder eine gewisse Erfahrung und viel Gefühl für den lebendigen Werkstoff. So eine aufwändige Produktion hat ihren Preis, doch die so gefertigten Bergstiefel zeichnen sich durch eine außerordentliche Robustheit und Langlebigkeit aus.

 

Das müssen sie auch, denn im Gegensatz zum Wanderschuh ist der Bergstiefel der zuverlässige Begleiter fürs Grobe. Sein Einsatzgebiet liegt nicht nur auf befestigten Wegen, sondern auch abseits davon, auf schmalen Graten und in steilen Geröllfeldern. Das teils absturzgefährdete Gelände in dem man sich mit Bergstiefeln bewegt, erfordert einen Schuh, der perfekt sitzt und guten Halt bietet. Um das zu gewährleisten, bieten die renommierten Hersteller Damen und Herrenversionen ihrer Schuhe an, da sich die Fußformen von Mann und Frau deutlich unterscheiden.

Wie ist ein Bergstiefel aufgebaut?


Sohlen
Bei Berg- und Trekkingstiefeln besteht die Sohlenkonstruktion normalerweise aus vier Bestandteilen: Laufsohle, Zwischensohle, Brandsohle und Einlegesohle.


Laufsohle
Die rutschfeste Laufsohle besteht aus einer speziellen Gummimischung und hat in der Regel ein grobes Profil für guten Halt auf nassem Fels, Gras und matschigen Wegen. Doch das ist noch nicht alles. Eine gute Laufsohle kann wesentlich mehr: Das Profil im Ballenbereich ist für den Abdruck optimiert, der Fersenbereich dagegen für Bremsmanöver. Dazu sind gute Laufsohlen selbstreinigend angelegt. Das heißt, der Schmutz bleibt nicht zwischen den Stollen hängen, sondern wird bei jedem Schritt wieder herausgedrückt. Um präzises Treten und zuverlässigen Halt auf kleinen Felsvorsprüngen zu ermöglichen, müssen Bergstiefel eine ziemlich steife Sohle haben. Damit du beim Gehen trotzdem gut abrollen kannst, ist sie vorne aufgeboten. Einen Sonderfall bilden steigeisenfeste Bergstiefel. Um dem Bindungssystem der Steigeisen genügend Festigkeit zu bieten, sind diese Sohlen komplett versteift. Steigeisentaugliche Bergstiefel erkennst du an der verstärkten Fersenkante. Hier wird der Kipphebel der Bindung angesetzt.

Zwischensohle: Dämpfung
Zwischen Lauf- und Brandsohle sitzt die Zwischensohle bzw. der Dämpfungskeil. Bei Trekking- und Bergstiefeln besteht diese Dämpfung meist aus Polyurethan bzw. EVA. Je nach Materialdichte variieren die Dämpfungs- und Stützeigenschaften dieses Elements.

Brandsohle und Innensohle

Die Brandsohle bildet den Kern des Schuhs. Sie verbindet den Schaft mit den restlichen Sohlenelementen. Die Innensohle oder auch Einlegesohle wird auch als Fußbett bezeichnet. Wenn du deinen Schuh trocknest, solltest du sie heraus nehmen, um den Prozess zu beschleunigen.

Von der Sohle zum Schaft

Der Bereich direkt über der Sohle wird meist mit einem Schmutzrand versehen. Dieser Gummistreifen schützt das darunter liegende Material vor Steinen und Dreck. So wird die Langlebigkeit gesteigert und die Schuhreinigung am Abend geht wesentlich schneller.

Schaft

Für den Schaft wird auch heute noch in den meisten Fällen Leder verwendet, da es sehr robust ist und dem Fuß einen guten Schutz bietet. Verstärkungen aus Kunststoff optimieren die Stützfunktion. Dabei gilt: je extremer die Touren, umso steifer und höher sollte der Bergschuh sein. Das gleiche gilt für das Rucksackgewicht: Schwerere Lasten fordern steifere Bergstiefel mit größerer Unterstützung für die Füße.
Zwischen Obermaterial und Futter sitzt bei wasserdichten Bergstiefeln eine Membran. Sie schützt den Fuß vor eindringendem Wasser und lässt die Feuchtigkeit aus dem Inneren entweichen. Bergstiefel ohne Membran werden innen schneller nass, dafür bieten sie eine bessere Atmungsaktivität.

Futter

Das Futter besteht entweder aus Leder oder aus Kunststoff. Leder hält der Belastung lange stand und passt sich im Laufe der Zeit immer mehr an die Fußform an. Kunstfasern dagegen ermöglichen mehr Atmungsaktivität.

Den richtigen Bergstiefel auswählen

Wenn du Bergstiefel anprobierst, achte darauf, dass deine Ferse einen festen Halt hat – und das nicht nur im Sitzen. Gehe eine Zeit lang auf und ab, wenn sich deine Ferse im Schuh hebt, passen die Leisten für dich nicht. Die Zehen dagegen sollten sich frei bewegen können und nach vorne ca. 1 cm Platz haben. 


Bei langen Bergab-Passagen vermeidest du es so, vorne anzustoßen. Wichtig: wenn du dir einen neuen Bergschuh zulegst, dann nimm dir genug Zeit, verschiedene Modelle ausgiebig zu testen. Bei der Anprobe darf nichts scheuern oder drücken, denn unterwegs werden diese Beschwerden garantiert nicht besser.

Muss ich meine Schuhe einlaufen?

Jein. Die Konstruktionen der Top-Hersteller sind mittlerweile so ausgefeilt, dass ein Anpassen des Lederschuhs an den Fuß, wie es früher absolut nötig war, heute nicht mehr zwingend ist. Trotzdem solltest du dir Zeit nehmen und deine neuen Schuhe vor der ersten großen Tour auf kleineren Runden ausführen.

Nutze diese ersten Kilometer, um immer mal wieder den Sitz der Zungen zu überprüfen und ihn ggf. zu korrigieren. Denn oft wird die Zunge durch die Gehbewegung zur Seite geschoben. Wenn du einfach weiter läufst, entstehen Falten und die Zunge wird immer wieder in diese Position zurückkehren. Zudem kannst du auf kleineren Touren verschiedene Socken ausprobieren und weißt dann womit du am besten zurechtkommst.