Einmal wie ein Rennradprofi – meine erstes Rennen mit Team Alpecin

Prioritäten setzen, Organisationstalent beweisen und gerade in stressigen Phasen auch mal die Zähne zusammenbeißen. Sobald sich dann aber die ersten Trainingserfolge zeigen, ist all das wieder wett gemacht! Einmal Rennradprofi und zurück.
So wirst du ein Radprofi

Von Null auf Hundert - einmal Rennradprofi Nun habt ihr ja ein paar Wochen nichts von mir gehört, aber ich war nicht untätig: Seit dem Team Alpecin Trainingscamp in Kaltern trainiere ich nun +- 15 Stunden die Woche auf meiner roten Rakete. Neben einem Vollzeit-Job heißt das natürlich: Prioritäten setzen, Organisationstalent beweisen und gerade in stressigen Phasen auch mal die Zähne zusammenbeißen. Sobald sich dann aber die ersten Trainingserfolge zeigen, ist all das wieder wett gemacht! Einmal Rennradprofi und zurück.

Die Vorbereitung auf mein erstes Rennen

2 Wochen vor meinem ersten Rennen hatte ich meine erste Ausfahrt mit einem Durchschnitts-Puls von 130 - für mich als “radelnder Kolibri”, wie mich mein Freund liebevoll nennt, ist das eine ganz neue Welt! Aber ich kann inzwischen auch ordentlich Druck aufs Pedal bringen, wenn es denn sein muss: beim letzten Leistungstest wurden meine Leistungszonen nach oben hin angepasst - und ja, ich werde gefühlt mit jeder Trainingsausfahrt schneller!

So super das gesammelte Know-How aus dem Training ist: bei einem Rennen bin ich in den 9 Monaten, die ich bislang Rennrad fahre noch nicht an den Start gegangen. Bei der L’Étape du Tour im Juli muss ich schon an genug Dinge denken, das Lampenfieber vor dem ersten Rennen wollte ich also schon davor einmal abgehakt haben. Also reiste ich mit einigen anderen der diesjährigen Alpecinis nach Eschborn, um beim Jedermann-Rennen Eschborn-Frankfurt zu starten. Auf gut wienerisch: die Anreise war bereits ein “breiter Meter” und dementsprechend geschafft kam ich beim Alpecin-Stand an. Meine Müdigkeit war aber sofort wie weggewischt, als ich das Team Alpecin wieder traf! Die letzten Wochen hatten wir alle zwar täglich Kontakt und tauschten uns rege über Trainingsfortschritte, Kuchenstops und das heimtückische Frühlingswetter aus - aber natürlich fahren wir am liebsten zusammen!

Außerdem plauderte ich noch ein bisschen mit den Profis vom Team Katusha Alpecin: Rick Zabel und Nils Politt warteten auf uns und halfen mir ein bisschen, meine Nervosität zu überwinden. Auf meine schüchterne Frage, was ich bei meinem ersten Rennen bedenken müsse, lachten Nils und ich erstmal. Er riet mir aber, frühestens nach 60 km ordentlich rein zu treten. Grade wenn man noch nicht so ganz weiß, wie das mit dem Einteilen der Energie oder der Ernährung beim Rennen funktioniert, bin ich so auf der sicheren Seite. Ich hatte mir meine Ziele nämlich hochgesteckt: für mich kam nur die längste Distanz mit dem 23 % steilen Mammolsainer Stich zum Schluss in Frage!

Der Renntag – Nervosität, Motivation, Erschöpfung, Glück

Am nächsten Tag ging es um 6 Uhr zum Frühstück. Dann ging alles ganz schnell: ins Renn-Outfit werfen, Startnummern anbringen, vom Hotel zum Start fahren und dann noch einen letzten Espresso bei unserem Team-Truck trinken. An den Start ging ich gemeinsam mit meinem Team-Kollegen Arne. Er war nicht nur der perfekte Lampenfieber-Hemmer sondern begleitete mich auch bis nach Frankfurt. Ich genoss es so unglaublich, über die abgesperrten Straßen zu fahren, mit so vielen Menschen, die die gleiche Leidenschaft wie ich teilen!

Alpecin Rennradprofi

Nach ungefähr 20 km zog eine Gruppe an uns vorbei, deren Tempo ein bisschen schneller war: ein kurzes “Viel Glück” an Arne und ich hängte mich dran! Jetzt ging es im Eiltempo auf den ersten größeren Anstieg, den Feldberg, zu. Ich hatte im Vorhinein das Streckenprofil so ziemlich auswendig gelernt und auch einen handgeschriebenen Zettel mit den wichtigsten Eckdaten in meiner Trikot-Tasche. Der war aber in kürzester Zeit so nass geschwitzt, dass man ihn nicht mehr hätte lesen können - geholfen hätte er mir aber auch nicht, über die Berge muss ich ja sowieso drüber! So, los ging es auf den Feldberg (den ich danach im Zieleinlauf direkt neben einer Frankfurterin als “Bodenwelle” bezeichnete.

Hiermit möchte ich mich als Deutsch-Österreicherin in aller Form bei den Frankfurtern entschuldigen: NATÜRLICH ist das ein Berg!) und meine Form hätte nicht besser sein können. Also tuckerte ich am Feld vorbei. Den nächsten Gipfel erreichte ich auch schnell und nach einem kurzen Stopp, um mir einen ganzen Riegel auf einmal in den Mund zu schieben, ging es auch wieder bergab. Und hier zeigte sich recht schnell mein größtes Defizit: Ich bin ein richtig mieser Abfahrer. Nach und nach zogen fast alle, die ich zuerst überholt hatte, wieder an mir vorbei. Das Bergauf-Bergab-Überhol-Schauspiel sollte sich noch ein paar Mal wiederholen.

Rennrad Challenge Alpecin

Nach gut 80 km kam die Abzweigung zwischen der mittleren Distanz (90 km mit 900 Höhenmetern) und meiner (104 km mit 1200 Höhenmetern). Während bislang noch einige Frauen im Feld dabei waren, war ich jetzt ziemlich alleine. Vorbei ging es an den Verpflegungswägen, die auf die Profis wie Nils und Rick nur wenige Stunden nach uns auf der Strecke warteten, straight in Richtung Mammolshainer Stich. Und jetzt kam der tollste Moment des ganzen Rennens: Auf dem steilen Stück waren nur Männer und alle schoben ihre Räder. Und oben warteten so viele jubelnde Zuschauer. Meine Beine begannen zu brennen und in meinem Kopf waren nur zwei Gedanken: “Links, Rechts,…” Wenn ich jetzt abgestiegen wäre, hätte ich nicht mehr anfahren können.

Die Zuschauer motivierten mich so sehr, sodass ich nicht mehr aufhören konnte zu grinsen - oder war es ein Painface? Ich trat noch drei, zwei, einmal feste in die Pedale und es war geschafft. Das schwierigste Stück der Strecke lag nun hinter mir. Auf den letzten Kilometern überholte ich noch einige Gruppen, die etwas langsamer als mein Tempo fuhren, bis ich endlich einen Herrn überholte, der sich sofort bei mir hinten rein hängte. Nach 2 Gruppen rutschte ich wie im Trainingslager gelernt nach rechts und wir kreiselten in unseren Windschatten ins Ziel. Erschöpft, aber glücklich wurde ich 8. in meiner Altersklasse und 58. Frau insgesamt.

Meine Tipps für Rennradbegeisterte

Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt, ist meine Leidenschaft für das Rennradfahren in den letzten Wochen und Monaten immer größer geworden. Hier sind meine besten Tipps, wie der Einstieg ins Rennradfahren klappt: Plane deine Trainingswoche im Voraus. Setzte Prioritäten und halte sie ein. Hole dir Tipps von erfahrenen Rennradfahrern. Suche dir einen Trainingspartner oder eine Trainingsgruppe, das motiviert ungemein. Setze dir Ziele. Egal, welche Strecke, welchen Berg oder welche Zeit du fahren willst, Ziele zu haben, spornt dich jedes Mal aufs Neue an. So das war "einmal Rennradprofi und zurück".Nun steht bei mir noch der OstCup in Österreich an, viele Abfahrten, damit ich meine Pain Points eliminiere und in genau 2 Monaten dann die L’Étape du Tour! Ich melde mich dann aus Frankreich bei euch! 🙂 Folge Nora auf Instagram hier.

So wirst du ein Rennradprofi
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