Das erste Mal Klettersteigen und schon bin ich süchtig...

Klettersteigen, eine neu entfachte Liebe: Wer hoch hinaus will, wird früher oder später mit Klettersteigen konfrontiert werden. So ging es zumindest mir.
das erste Mal Klettersteigen

Klettersteigen, eine neu entfachte Liebe Wer hoch hinaus will, wird früher oder später mit Klettersteigen konfrontiert werden. So ging es zumindest mir. Mein Name ist Sabrina, ich bin Outdoorbloggerin aus Österreich und meine größte Leidenschaft sind die Berge. Vor einigen Jahren habe ich beschlossen, das Land in dem ich lebe endlich richtig kennenzulernen – und wie sagt man so schön: Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich. Aus Wandern wurde Bergsteigen, aus Waldspaziergängen wurden Gipfelbesteigungen und schlussendlich wurde aus der Liebe für die Natur eine Leidenschaft für die Berge und eine neu entfachte Liebe für Klettersteige. Das erste Mal Klettersteigen und das sind meine Erfahrungen. Klettersteige sind oft der schnellste Weg um an die Spitze des Bergs zu kommen. Wer außerdem, so wie ich, genug von endlosen Waldwegen hat, dem kann ich Klettersteige nur empfehlen. Natürlich sollte man sich vor der Begehung des ersten Klettersteigs gut informieren und ein paar Dinge beachten. Was meine Tipps bzw. Erfahrungen damit sind erfahrt ihr in diesem Beitrag. Im Zuge meiner Wiener Hausberge Challenge (52 Touren in 96 Tagen) wurde ich nach Jahren wieder einmal mit Klettersteigtouren konfrontiert. Nachdem ich in den letzten Jahren vorzugsweise mit Hund am Berg war, kamen Klettersteige natürlich nicht in Frage und so begnügte ich mich lange Zeit mit den üblichen Aufstiegsrouten. Was für ein Fehler – Klettersteige sind super spannend und machen aus jeder Wanderung ein Abenteuer. Nichtsdestotrotz sollte man nicht einfach darauf losklettern. Zuerst muss man sich darüber im Klaren werden ob man schwindelfrei und trittsicher ist. Auch wenn Klettersteige sehr reizvolll sind, ist hier Selbstüberschätzung fehl am Platz. Wenn man erst mal im Klettersteig hängt, kann man sich’s oft nicht mehr anders überlegen und einfach umdrehen. Mit sich selbst ehrlich zu sein ist das A und O.

Zu Beginn sollte man beim Klettersteigen nicht übertreiben.

Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade von Klettersteigen

Zum Glück gibt es ja Klettersteige in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, von leicht (Kategorie A) bis extrem schwer (Kategorie E). Im Zuge meiner Challenge bin ich Klettersteige bis zur Kategorie C (schwierig) gegangen. Klettersteige der Kategorie A sind natürlich der beste Weg um sich langsam ranzutasten. Prinzipiell wird hier noch keine Klettersteigausrüstung empfohlen. Nichtsdestotrotz würde ich Anfängern auch hier ein entsprechende Ausrüstung empfehlen. Bei leichten Klettersteigen geht es meist über durchwegs gut gesicherte Steige im wenig steilen Gelände mit Trittleitern, Eisenklammern, Handläufen und Drahtseilen. Exponierte Stellen gibt es hier im Normalfall keine. Ab Kategorie B ist eine Klettersteigausrüstung zur Selbstsicherung üblich. Selbst bei Klettersteigen der Kategorie A nehme ich auch öfters die Ausrüstung mit. Beispielsweise wenn es feucht ist. Die Absturzgefahr ist hier ungesichert einfach zu hoch. Bei mäßig schwierigen Klettersteigen (Kategorie B) ist das Gelände schon steiler, zwar immer noch gut gesichert, aber man kann hier schon mal 15 Meter über eine senkrechte Eisenleiter hochklettern.

Klettersteig Ausrüstung

Unter einer Klettersteigausrüstung zur Selbstsicherung versteht man üblicherweise ein Klettersteigset mit zwei Karabinern (Y-Form) und einem Fallschutzdämpfer, einen Hüftsitzgurt und einen Helm. Diese drei Dinge sind essentiell. Klettersteige sind eigentlich eine eigene Disziplin des Outdoorsports. Man könnte zwar sagen, dass sie zwischen Wandern und Sportklettern angesiedelt sind, aber ich bin mir nicht sicher ob mir da nicht widersprochen werden würde.

Klettersteigset für Beginner

Das Klettersteigset von LACD reicht für den Anfang absolut. Zum Produkt: hier Dennoch sind viele Klettersteige mit Wanderungen verbunden. Deshalb wird auf Klettersteigen auch ein normales Wanderschuhwerk (subalpin/keine Trekkingschuhe; auch als Wanderschuhe Kategorie B bezeichnet) getragen. Natürlich gäbe es auch spezielle Schuhe die sich besonders gut dazu eignen. Zum Beispiel Zustiegsschuhe (Approach Shoes), die ähnliche Sohleneigenschaften wie Kletterschuhe aufweisen. Außerdem ist es auch ratsam Handschuhe zu tragen.

Anwendung des Klettersteigsets

Das Klettersteigset wird dann in den Hüftsitzgurt eingehängt – dieser muss natürlich korrekt eingehängt werden. Die Klettersteigsets die man heutzutage bekommt, besitzen alle einen Fallschutzdämpfer. Dieser Dämpfer wickelt sich bei einem Sturz aus. Niemals darf er davor geöffnet werden. Bei einem Sturzn in das Klettersteigset muss dieser ausgetauscht werden – er kann nicht erneut benutzt werden. Aber, wie man so schön sagt: Am Klettersteig stürzt man nicht ab! Anders als beim Sportklettern, kann man sich beim Klettersteiggehen auch nicht in den Gurt setzen. Beim Sportklettern sieht man öfter, dass sich Kletterer in ihren Gurt setzen und rasten. Das darf man am Klettersteig unter gar keinen Umständen machen – der Fallschutzdämpfer könnte sich unter Umständen auswickeln. Wer also am Klettersteig rasten möchte, muss das im Stehen tun oder sich einen sicheren Platz suchen. Ein Klettersteig kann durchaus Kraft raubend sein. Es ist daher auch wirklich wichtig sich selbst nicht zu überschätzen und immer die Ruhe zu bewahren. Hat man die Ausrüstung korrekt angelegt, wird in das Stahlseil bzw. Sprosse, Handlauf oder Klammer eingehängt. Am Klettersteig ist man IMMER mit einem Karabiner gesichert. Wenn man beispielsweise ein Stahlseil zur Sicherung hat, hängt man beide Karabiner ein und schiebt sie mit einer Hand bis zur nächsten Unterbrechung vor sich her. Bei der Unterbrechung des Seils, meist eine Verankerung im Stein, wird zuerst der vordere Karabiner umgehängt und danach der zweite Karabiner. Sollte man stürzen, fällt man bis zur letzten Unterbrechung. Das kann leider oft ein sehr langer Sturz sein. Deshalb ist es wirklich wichtig sich aufmerksam und konzentriert am Klettersteig zu bewegen. Eine weitere wichtige Regel ist, dass immer nur eine Person zwischen zwei Unterbrechungen der Sicherung geht. Sollt man stürzen und eine Person sich im gleichen Abschnitt befindet, nimmt man diese Person im Fall natürlich mit. Die meisten Unfälle passieren eigentlich weil man aus Faulheit beide Karabiner gleichzeitig umhängt oder bei scheinbar einfachen Passagen gar nicht sichert und unaufmerksam wird. Natürlich ersetzt meine Beschreibung über Benutzung und Handhabung des Klettersteigsets keinen Kurs. Klettersteigkurse werden durch viele Vereine oder in entsprechenden Regionen angeboten. Kurse dauern oft nur ein paar Stunden und sind nicht teuer. Die dort vermittelten Informationen über Sicherung und Materialkunde reichen im Normalfall aus, so dass danach Klettersteige auch selbstständig begangen werden können.

Meine Erfahrungen

Wie anfangs bereits erwähnt, bin ich lange keinen Klettersteig mehr gegangen. Es war für mich quasi wie ein Neuanfang. Meine erste Tour mit Klettersteig führte mich in die Steinwandklamm im Triestingtal (Niederösterreich). Dort wurde ich gleich von einer 15 Meter hohen und senkrechten Eisenleiter begrüßt. Die Eisenleiter war rutschig und die Sprossen sehr schmal. Die ersten Schritte waren problemlos, aber als ich dann ungefähr die Hälfte erreichte, zitterten mir plötzlich die Knie. Ehrlicherweise habe ich damit nicht gerechnet, Höhe macht mir eigentlich überhaupt keine Probleme, aber es war eine ungewohnte Situation. Egal ob nach oben oder unten, es war der gleiche Weg, also hieß es erstmal durchatmen, sich bewusst machen, dass man gesichert ist und weitergehen. Oben angekommen beruhigte ich mich wieder und ein unglaublich heroisches Gefühl machte sich breit. Klingt so lächerlich… was sind schon 15 Meter? Aber in diesem Moment wusste ich, dass das erst der Anfang war – ich habe Blut geleckt. Es war vergleichbar mit dem Gefühl wenn man den ersten Gipfel besteigt.

das erste Mal Klettersteigen

Klettersteigen lässt einen nicht mehr los. Danach wollte ich mehr. Mehr Klettersteige, mehr Adrenalin und noch höher hinaus. Darauf folgten dann einige Klettersteige der Kategorie A und B auf der Hohen Wand (Niederösterreich). Die Hohe Wand ist ein kleines Kletter- und Wanderparadies und gerade einmal 20 Minuten von mir und auch nur etwa 40 Minuten von Wien entfernt. Zum Einsteigen kann ich den Wagner- und Springlessteig sowie den Völlerinsteig empfehlen. Ein wenig anspruchsvoller sind der Hanselsteig, die kleine und große Klause sowie der Frauenluckensteig. Ein besonderes Highlight war auch der Turmstein bei der Kienthalerhütte (Höllental: Niederösterreich). Zur Kienthalerhütte kommt man über die Weichtalklamm – auch ein Klettersteig, jedoch der Kategorie A und eher weniger anspruchsvoll, hier braucht man nicht notwendigerweise ein Klettersteigset. Der Klettersteig führt durch eine Art Schlucht die man mithilfe von Leitern, Klammern, Eisenketten und herausgeschlagenen Tritten durchquert. Jedoch ist das Mitbringen eines Klettersteigsets unbedingt zu empfehlen, denn erstmal bei der Kienthalerhütte angekommen, wartet der Turmstein. Am Turmsteinn bin ich meine erste Passage der Kategorie C geklettert – auch wenn der Turmstein kurzweilig ist, ist er beim ersten Mal ein Erlebnis. Natürlich sollte man davor schon mit Klettersteigen vertraut sein, zum Anfangen ist der Turmstein nicht empfehlenswert. Man muss mit dem Klettersteigset vertraut sein, wissen wie man es verwendet. Die Konzentration sollte bei anspruchsvolleren Klettersteigen unbedingt auf den Griffen und Tritten liegen. Mein letztes Klettersteighighlight war der Alpenvereinssteig auf der Rax (die Rax ist der zweithöchste Berg Niederösterreichs). Dieser Klettersteig ist zwar technisch nicht besonders anspruchsvoll, aber da er sehr lange ist, ist die konditionelle Anforderung nicht zu unterschätzen.

Meine Tipps für Klettersteige

Natürlich bin ich nicht ausreichend qualifiziert um professionelle Tipps zu geben, ich kann nur über meine eigenen Erfahrungen berichten. Viele Bergregionen und Alpenvereine bieten entsprechende Klettersteig-Grundkurse an – hier ist man auf jeden Fall an der richtigen Adresse.

Klettersteigen für Beginner

Stürze sollte man vermeiden - sonst geht es zum letzten Punkt.

Die Tipps die ich geben kann sind Folgende:

NIEMALS überschätzen (wer Zweifel hat, sollte lieber einen Kurs besuchen!) Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unumgänglich!!! Wetter checken – besonders Gewitterwarnungen Lieber zu Zweit Vorab gut informieren – im Internet findet man genaue Beschreibungen und Anforderungen zu den Klettersteigen Langsam steigern. Es gibt viele Wanderungen auf denen man sich mit kurzen und leichten Klettersteigpassagen vertraut machen kann. Mit Klettersteigen der Kategorie A anfangen – hier kann man das Klettersteigset und dessen Handhabung üben (normalerweise ist bei Kategorie A noch kein Klettersteigset notwendig, jedoch bietet sich meiner Meinung nach hier die Gelegenheit die Handhabung gut zu trainieren) Ab Klettersteigen der Kategorie B sind Kraft und Kondition Voraussetzung – lieber eine paar Monate den Körper trainieren, als sich untrainiert einen Klettersteig hochquälen (nicht zu vergessen die Gefahr der man sich und anderen dabei aussetzt) Helm nicht vergessen!!! Steinschläge dürfen nicht unterschätzt werden. Unnötigen Ballast vermeiden. Auch der Rucksack sollte nicht zu groß sein – wenn man durch Kamine oder durch Höhlen klettert kann dieser sehr störend sein. Man könnte sagen ich habe eine neue Leidenschaft - das erste Mal Klettersteigen und ich bin sowas von süchtig. Klettersteige bieten so viel Abwechslung und machen unglaublich viel Spaß. Ich kann es kaum erwarten den nächsten Berg über Klettersteige zu erklimmen. Ich hoffe ich konnte euch trotz der vielen Warnhinweise Lust auf den ersten Klettersteig machen. Wer einmal Feuer gefangen hat, kann nicht mehr damit aufhören – so viel kann ich euch garantieren. :-) Übrigens, falls du generell Lust am Klettern entdeckt hast, dann lies dir doch einmal unsere Beiträge über die 5 besten Klettergebiete in Deutschland oder unseren Boulder Guide für Beginner durch.

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