Kämpfe und glaub‘ an deine Werte – Para-Sportlerin Denise Schindler im Interview

    Spitzensportlerin mit 1,5 Beinen: Denise Schindler ist eine der schnellsten Radfahrerinnen der Welt. Wir haben mit ihr über den Sport, ihre Träume und was sie antreibt gesprochen.
    Paracyclerin Denise Schindler

    Im Alter von zwei Jahren verlor Denise Schindler bei einem Unfall ihren rechten Unterschenkel. Heute ist die 35-Jährige auf dem Fahrrad trotzdem schneller als die meisten Menschen der Welt, die kein Handicap haben. Sie ist mehrfache Deutsche Meisterin, Europacup- und Weltcup-Siegerin, Weltmeisterin und holte Silber und Bronze bei den Paralympischen Spielen. In diesem Jahr stehen alle Zeichen auf grün, dass sie für Deutschland in Tokio an den Start geht. Denise ist außerdem Markenbotschafterin für die aktuelle „Formotion“-Kollektion von adidas. Eine Bekleidungslinie, die für mehr Halt, Passgenauigkeit und Komfort die innovative Shapewear-Technologie nutzt. 

    Wir haben mir Denise über ideale Sportbekleidung und ihr aktuelles Training gesprochen und darüber, was sie antreibt, was sie anderen mitgeben möchte und wovon sie träumt.

    Was bedeutet die adidas-Botschafterfunktion für dich?

    Mein Ziel ist es, den Mädels und Frauen da draußen zu zeigen: ‚So wie du bist, darfst du dich wohlfühlen in deiner Haut und darfst dich zeigen. Mach Sport, beweg dich, tu etwas für dich und damit auch für deine Seele.‘ Ich möchte Menschen dazu ermutigen, Sport zu machen, egal ob sie sich in den Standard-Maßen wiederfinden oder nicht.

    Was ist dir bei deiner Sportkleidung am wichtigsten?

    Dass sie sich anpasst und ich mich darin wohlfühle – bei jeder Bewegung. Zusätzlich sollte sie auch zu jeder Jahreszeit auf meine Bedürfnisse eingehen. Im Sommer soll der Schweiß gut vom Körper abtransportiert werden, im Winter möchte ich gut eingepackt sein. Adidas ist auch bekannt dafür, überall kleine intelligente Details einzubauen – wo man z.B. sein Handy verstecken kann – das schätze ich auch sehr.

    Denise Schindler für adidas

    Wie würdest du die „Formotion“-Kollektion beschreiben? 

    Du ziehst sie an, fühlst dich wohl und sagst: Bäm! Es ist wichtig, dass du bei Sportklamotten nicht das Gefühl hast, es drückt und spannt, es ist da zu eng und an anderer Stelle zu locker. Ich trage die Kollektion mittlerweile nicht nur beim Sport, sondern ständig. Ich liebe sie wirklich sehr. Sie ist sehr farbenfroh und gerade nach dem tristen Winter und den besonderen Umständen kann man das gut gebrauchen.

    Was die Pandemie für die Paralympics bedeutet

    Du hast an der „Move with us“-Fitness-Serie von adidas mitgewirkt, eine frei zugängliche Youtube-Serie, welche für mehr Diversität im digitalen Trainingsinhalt sorgen soll. Wie oft trainierst du aktuell in deinen eigenen vier Wänden?

    Wenn ich zuhause und nicht im Trainingslager bin, dann jeden Tag. Gerade bin ich in der Vorbereitung für die Paralympischen Spiele für Tokio und dafür trainiere ich sechs Tage die Woche. Am Ruhetag baue ich meist 20 Minuten Stretching ein. Wenn das Wetter gut ist, fahre ich natürlich auch liebend gerne draußen auf der Straße. Aber in dem harten Winter habe ich schon viele Stunden in meinem Keller verbracht.

    Bist du durch Corona in deinem Training und der Vorbereitung auf die Paralympics eingeschränkt?

    Ich würde eher sagen, herausgefordert. Normalerweise bin ich im Winter als Radsportlerin im Trainingslager in warmen Gefilden. Das geht aktuell gar nicht oder nur unter Einhaltung sehr hoher Auflagen. Um zuhause die Umfänge so hinzukriegen, wie das im Trainingslager möglich ist, musste ich mit meinem Coach schon sehr kreativ werden. Es ist sicher keine perfekte Vorbereitung auf die Paralympischen Spiele, wie wir das normalerweise haben.

    Mit welchem Gefühl fährst du nach Tokio, wissend, dass die Spiele ohne ausländische Zuschauer stattfinden werden?

    Ja, es sind zwei Dinge, die schade sind: Es fehlen die zujubelnden Zuschauer und es fehlt die Familie, die zur Unterstützung dabei ist. Meine 75-jährige Oma wollte unbedingt mit nach Japan kommen, meine Mama wollte das erste Mal dabei sein und mein Mann und mein Vater sowieso. Ich bin schon traurig darüber, dass das nicht klappt. Auf der anderen Seite fokussiere ich mich dann zu 100 Prozent auf die Spiele. Es wird auch insgesamt alles etwas spaßbefreiter sein, denn Dinge wie z.B. Paralympisches Dorf, Deutsches Haus, Medal-Walk fallen natürlich weg. Trotzdem denke ich, dass wir Sportler:innen froh sein dürfen, dass wir überhaupt an die Startlinie gehen dürfen – nach all dem, was im letzten Jahr war. Ich glaube, die Botschaft, die wir mit diesen Spielen senden, ist eine ganz wichtige: zu zeigen, dass es auch in der Krise weitergeht und dass es immer weitergehen muss – eben anders. Ich bin stolz, vor Ort sein zu dürfen und eine Athletin zu sein, die auch in diesen schwierigen Zeiten dabei ist.

    Paralympics Sportlerin Denise Schindler

    Denise, du bist eine ehrgeizige Frau, zu der viele junge Sportler:innen aufschauen. Was treibt dich an, woher kommt dein Ehrgeiz?

    Die Grundzutat ist die Leidenschaft für den Sport. Ich brenne fürs Radfahren. Um ehrgeizig zu sein, musst du lieben, was du tust. Die andere Zutat ergibt sich aus meiner Geschichte. Ich hatte es nie einfach im Leben, weil ich den Unfall schon früh hatte. Ich musste mich immer durchkämpfen und hatte glücklicherweise eine Familie, die mich nicht geschont hat. Damals hat es mir nicht gefallen, dass ich zuhause auch mal härter rangenommen wurde, heute bin ich dafür dankbar. Ich habe mitbekommen: ‘Du wirst es nicht leicht haben im Leben, deswegen musst du auch härter arbeiten‘. Ich lernte, dass ich kämpfen muss für das, was ich will – und, dass es sich auch lohnt.

    Über Umwege zum Spitzensport

    Seit deiner Kindheit, trägst du eine Prothese, mit der du deinen Sport heute perfekt ausüben kannst. Gab es auch eine Zeit, in der dich dein Handicap eingeschränkt hat?

    Total. Was den Sport betrifft, bekam ich als Mädchen von meiner Umwelt suggeriert: ‘Ah, dir fehlt ja schon ein Bein, du musst ja schon froh sein, dass du überhaupt gehen kannst.‘ Sport war für mich damals sehr negativ behaftet. Ich war immer die Letzte und auch immer die, die als Letzte in die Gruppe gewählt wurde. Ich habe erst viel später gelernt, dass Sport mir gut tut und auch verstanden, dass ich damit sogar Dinge ausgleichen kann, die mir durch die Behinderung fehlen. Ich hatte z.B. als Kind durch die Ungleichheit beim Gehen immer Rückenschmerzen. Seitdem ich trainiere, ist das weg.

    Dann war eine Karriere im Sport kein Jugendtraum?

    Überhaupt nicht. Über meinen Weg lacht jeder Spitzensportler, der von klein auf sportlich war. Der alles verändernde Moment kam, als ich gerade Abitur machte. Damals arbeitete ich nebenbei im Fitnessstudio. Dort habe ich zuerst mehr anderen zugeschaut als selbst Sport gemacht. Bis ich irgendwann an einer Indoor-Cycling-Stunde teilgenommen habe. Danach war ich fix und alle, aber es hat mir richtig viel Spaß gemacht. Das Entscheidende war, dass dort alle mitmachen können, egal welches Niveau – weil man den Widerstand am Rad einstellen kann. Jeder kann sich verausgaben und alle haben zusammen Spaß. Anders ist das, wenn man draußen Rad fährt: Als Frau fahren dir anfangs alle davon und wenn du nur 1,5 Beine hast, fahren sie dir dreimal davon. Hätte ich draußen mit dem Radfahren angefangen, wäre es gegessen gewesen. Deswegen war das Indoor-Cycling der perfekte Einstieg für mich.

    Wie ist dein Weg von der Nicht-Sportlerin zur Leistungssportlerin weitergegangen?

    Ich habe später Spinning-Marathons mitgemacht. Mal 3 bis 4 Stunden radeln, dann sogar mal 12 Stunden am Stück – und irgendwann dachte ich mir, dass ich ja auch draußen mal Radfahren kann. Ich bin viel Mountainbike im Bayerischen Wald gefahren. Und dann habe ich in einem Urlaub mal an einer geführten Alpenüberquerung teilgenommen – mit langer Hose über der Prothese. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht so locker mit meiner Behinderung umgehen, wollte sie vertuschen. Dass ich zu ihr stehen kann, war ein Prozess. Es hat viel verändert, als ich mich schließlich dazu entschloss, eine Sportprothese zu tragen. Die kannst du nicht verstecken. Dann habe ich auch angefangen, richtige Radhosen zu tragen. Eines Tages wurde ich plötzlich vom Abteilungsleiter Radsport in Bayern angesprochen, ob ich nicht Rennen fahren möchte. Erst dachte ich: ‘Oh Gott, dann werde ich wieder Letzte‘, weil ich das ja so noch aus der Schule kannte. Aber ich habe mich dann doch dazu überwunden, es auszuprobieren. So bin ich in den Leistungssport gestolpert.

    Denise Schindler beim Training
    Selbstbewusstsein ist ein Prozess: Ich konnte erst mit der Zeit zu meiner Behinderung stehen

    Bist du anfangs und im Laufe deiner Karriere auch Vorurteilen begegnet?

    Ganz klar, ja. Man muss sagen: Radsport ist eine Männerdomäne. Da wird oft gesagt: ‘Frau im Radsport, kann die überhaupt was?‘ Das habe ich schon gespürt. Anfangs war ich ja auch ein Rookie, musste noch viel lernen. Aber sogar noch als ich den Sprung in die Nationalmannschaft machte, habe ich von den eigenen Teamkollegen gehört: ‘Naja, du als Frau, das ist ja nur weil …‘ Und wenn du dann auch noch nur 1,5 Beine hast, dann gibt es auch das Vorurteil: ‘Die fährt ja eh langsam‘. Ich musste mich die ersten Jahre extrem behaupten und gefühlt doppelt so viel Leistung zeigen, bis ich irgendwann ein Standing hatte. Irgendwann haben aber die, die vorher gezweifelt haben, gemerkt: Ok, die kann ja was. Heute begegne ich solchen Vorurteilen kaum noch und bin voll akzeptiert.

    Du zeigst dich als selbstbewusste und optimistische Sportlerin. Warst du schon immer so gefestigt oder wie war dein Weg dorthin?

    Ich war schon ein aufgewecktes Kind, das immer Unsinn im Kopf hatte. Aber ich konnte definitiv erst mit der Zeit zu meiner Behinderung stehen. Ich finde es sehr wichtig, darüber zu sprechen, denn Selbstbewusstsein ist nichts, für das du mit dem Finger schnippst und dann ist es da. Es ist ein Prozess. Es hat viel damit zu tun, ob und wie du mit dir im Reinen bist. Mir hat der Sport sehr geholfen. Um selbstbewusst zu sein, geht es aber nicht darum, immer die Erste zu sein, sondern darum, dass du etwas für dich tust und du dich daraufhin wohl in deinem Körper fühlst. Und wenn du den ein oder anderen Mann auf dem Rad abhängst, tut das natürlich auch ganz gut fürs Selbstbewusstsein.

    Kannst du heute also besser mit Reaktionen auf deine Behinderung umgehen als früher?

    Wenn man mit sich im Reinen ist, wird man entspannter. Ich glaube nicht, dass mich die Menschen heute anders ansehen. Es schauen schon viele Leute, wenn du mit einer Prothese offen umgehst und auch kurze Hosen im Sommer trägst. Auch mit meiner Radprothese – wenn da mache so gaffen, bauen die manchmal sogar fast einen Unfall. Das war immer so, aber anfangs hat mich das sehr gestört und unsicher gemacht. Wenn ich z.B. in einem Café Pause mache und mit der Radprothese kurz mal aufs Klo gehe, dann muss ich da ja so langstöckeln wie Captain Hook. Es hat mich früher extrem gestört, wie du dabei von oben bis unten gemustert wirst. Mittlerweile gehe ich genauso und die Leute schauen mich genauso an, aber es stresst mich nicht mehr. Ich lächele die Leute dann an, dann ist das Eis eh schon gebrochen. Ein paar Jahre Lebenserfahrung tun auch ganz gut, um Dinge entspannter zu sehen und zu sagen: ‘Ich muss nicht jedem gefallen.‘

    Adidas Testimonial Denise Schindler

    Sport mit Prothese: technisch und finanziell herausfordernd

    Wie sieht dein Training aus. Trainierst du genauso wie eine Sportlerin ohne Handicap?

    Umfang, Aufbau und Menge sind gleich. Ich habe einen Coach, der auch Radsportlerinnen ohne Handicap trainiert. Es gibt aber gewisse Anforderungen, die anders sind. Ich muss mit meiner Prothese z.B. schauen, dass ich mir keine Entzündungen hole. Die könnten zu einer ungeplanten Auszeit führen. Das macht es manchmal komplexer und schwieriger.

    Du fährst mit einer speziellen Radport-Prothese. Ist das ein zusätzlicher Kostenfaktor?

    Ja, ein großer. Die besondere Herausforderung ist auch, dass es Radport-Prothesen nicht von der Stange gibt. Laufprothesen kann man mittlerweile im Katalog bestellen. Radprothesen sind Eigenentwicklungen. Mein großer Vorteil ist, dass mich mein Orthopädietechniker kennt, seitdem ich eine kleine Stöpseline bin. Er unterstützt mich und entwickelt speziell für mich. Zusätzlich bastele ich immer vor den olympischen Spielen, jetzt auch wieder, an einer aerodynamischen Prothese. Ich habe das vor den olympischen Spielen in Rio 2016 schon gemacht, mit einer 3D-gedruckten Prothese. Jetzt arbeite ich mit dem Institut Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) an einer neuen Version, weil die Technik tatsächlich sehr viel ausmacht. Da geht viel Forschungsarbeit rein und du brauchst starke Partner, die dich unterstützen, denn das könntest du als Sportler:in allein nicht bezahlen. Nur mal als Hausnummer: So eine Prothese kostet von 10.000 bis 15.000 Euro. Und eine aerodynamische Super-Prothese kann auch mal im sechsstelligen Bereich liegen. Der Druck der Prothese kostet nicht so viel, aber die Entwicklung ist teuer.

    War es für dich als Parasportlerin je ein Problem, Sponsoren zu finden?

    Am Anfang war es schwer. Da hattest du zwar mal einen Sponsor, der dir ein paar Handschuhe oder ein paar Helme gegeben hat. Aber du musst dich ja auch irgendwie finanzieren, damit du frei bist. Mittlerweile verbessert sich das sehr. Wenn ich heute Partnerschaften, wie z.B. mit adidas eingehe, sind die langfristig. Es würde dem paralympischen Sport insgesamt guttun, wenn er noch mehr Fernsehzeit oder eigene Kanäle bekäme, damit die Leute sehen, was für ein toller Sport das ist. Und damit Sportler:innen und ihre Sponsoren mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekämen. Ich möchte nicht nur aus ideellen Gründen gesponsert werden. In einer Partnerschaft will ich auch was zurückgeben.

    Parasportlerin Denise Schindler

    Dein Sport ist deine Leidenschaft, aber auch ein Vehikel, um Botschaften an die Öffentlichkeit zu transportieren. Welche sind das?

    Im Juli dieses Jahres erscheint ein Buch von mir zum Thema Resilienz beim Mosaik Verlag. Es trägt den Titel: ‘Vom Glück, Pech zu haben‘. Es geht darum: Warum können manche Menschen besser mit Schicksalsschlägen im Leben umgehen als andere? Warum kommen die einen stärker daraus hervor und warum verwelken andere daran? Die Botschaft, die ich in die Öffentlichkeit senden will, ist insbesondere geprägt durch meine eigene Geschichte und den Sport: nämlich, dass es sich lohnt, zu kämpfen und dass jeder seine Päckchen trägt. Es geht darum, zu verstehen, dass das Leben nie immer nur bergauf geht und nie immer nur perfekt und glücklich ist. Es ist die Kunst im Leben, mit Herausforderung umzugehen, aus Schicksalsschlägen etwas Positives zu ziehen und weiterzumachen.

    Du hast es immer selbst in der Hand.

    Im Sport stehst du auch nicht immer nur ganz oben und holst die goldene Medaille. Es gibt auch Tränen, Rückschläge, Verletzungen. Es gibt Momente, wo gar nichts klappt, wo du Letzte wirst, wo du einen Platten kurz vorm Ziel hast. Momente, wo du eine ganze Saison aufgeben musst, obwohl du eigentlich alles perfekt geplant hattest. Aber die Belohnung für all das kommt irgendwann. Ich bin z.B. 2016 bei den Paralympischen Spielen in Rio in meinem ersten und wichtigsten Wettkampf disqualifiziert worden. Das war für mich der Alptraum schlechthin und ich habe in diesem Moment sicherlich nicht verstanden, warum das mir passiert ist und ich hatte das sicher auch nicht verdient, aber so ist das Leben einfach. Du kriegst nicht alles, was du verdienst. Manchmal ist das Leben eben einfach unfair – aber es lohnt sich, zu kämpfen und weiterzumachen, an seine Ideale und Werte zu glauben.

    Ich habe weitergemacht und bin im gleichen Velodrom bei den Weltmeisterschaften in Rio gegen dieselbe Gegnerin Weltmeisterin geworden und habe mir meine Medaille zurückgeholt. Du hast zwar manchmal nicht in der Hand, was um dich herum passiert oder welcher Schicksalsschlag auf dich zukommt, aber du hast es in der Hand zu sagen: ‘Mach ich weiter und versuche, etwas Positives draus zu machen, oder gebe ich auf?‘ Meine Botschaft ist: Du hast es immer selbst in der Hand, wie du reagierst.

    Wenn du dir etwas wünschen könntest: Wie sähe die Welt für eine Para-Sportlerin oder einen Para-Sportler in der Zukunft aus?

    Für paralympische Profis würde ich mir wünschen, dass diese Professionalisierung, die wir jetzt haben, also die Unterstützung, noch voranschreitet. Damit sich die Sportler darauf fokussieren können, ihren Sport auszuüben und nicht Bauchschmerzen darüber haben müssen, wie sie ihre Miete zahlen. Das wird immer besser, aber da geht noch mehr. Und mehr Medienangebote wären wünschenswert. Sodass wir mehr in der Öffentlichkeit zu sehen sind, dass die Wettbewerbe verfolgt werden können und nicht nur, weil ich einen Post mit dem Rennergebnis hochlade. Die Zuschauer sollten besser mitfiebern können. So würden sich auch Geschichten und Duelle besser aufbauen. Das würde den Sport in die richtige Richtung bringen.

    Geht nicht? Gibt’s nicht!

    Welche Ziele möchtest du noch erreichen – kurzfristig und langfristig?

    Kurzfristig sind das natürlich meine dritten olympischen Spiele in Tokio 2021. Da will ich es als ‘Oma‘ den jungen Küken nicht leicht machen. Und ich habe den Traum in der Einer-Verfolgung auf der Bahn nochmal eine Zeit zu knacken. Ich bin schon mal eine 4:01 gefahren. Wenn da eine 3:59,59 auf der Uhr stände, wäre das toll.

    Powerfrau und Parasportlerin Denise Schindler

    Entdecke die adidas Formotion Kollektion hier.

    Langfristige Ziele? Ich werde immer Sportlerin bleiben, vom Fahrrad kriegt man mich nicht runter. In Zukunft möchte ich aber auch, wie ich es auch im Radsport als 1,5-beinige Frau getan habe, in anderen Bereichen Dinge tun, die noch keiner gemacht hat. Wenn man noch zeigen kann, zu was man alles imstande, auch wenn Leute sagen, ‘Das geht doch gar nicht‘ oder ‘Da hast du eh keine Chance‘. Ich würde mich freuen, den ein oder anderen noch zu überraschen.

    Welchen Tipp würdest du deinem jüngeren Ich (vor z.B. 20 Jahren) geben?

    Ich würde sagen: Hey, du kannst alles erreichen, wenn du willst. Hör nicht drauf, wenn andere dir deine Grenzen aufzeigen wollen und sagen ‘Das geht nicht, das kannst du nicht.‘ Denn die meisten Grenzen bestehen nur im Kopf. Und ich würde sagen: ‘So wie du bist, bist du perfekt’. Ich wünschte, dass ich das schon früher in meinem Kopf verankert hätte.

    Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten, die dir aber bislang noch nicht gestellt wurde?

    Die Antwort auf diese Frage lautet: Ich schlafe immer mit Socken, weil ich sonst friere – im Winter und im Sommer. Wenn die Socke fehlt, wache ich in der Nacht auf und friere.

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