Pasta Gorillas: Wie man sich für 27.000 Kilometer auf dem Bike vorbereitet

Drei Outdoorfans, drei Fahrräder, ein Ziel: Nico, Julian und Felix sind seit zwei Monaten unterwegs nach Japan. 4.000 sind geschafft, 23.000 Radkilometer liegen noch zwischen den Jungs und den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Im SportScheck Blog berichten sie vom Abenteuer „Ohne Plan nach Japan“. Heute: Wie man sich auf das Abenteuer Radreise vorbereitet.
Pasta Gorillas on the road
On the road...

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Länder: 10, Tage: 60, Kilometer: 4000

Tiflis - 60 Tage und über 4.000 Kilometer sind wir – das sind Nico, Felix und Julian alias die Pasta-Gorillas – nun auf unseren Rädern unterwegs und grüßen vom Zentrum der Kaukasus-Landenge im östlichen Teil Georgiens. Jeder Tag, jeder Meter, jedes Abenteuer ist ein kleines Mosaiksteinchen auf unserem Weg ins entfernte Japan und damit zu Olympia 2020. Viele Abenteuer und Geschichten wollen bis ins „Land des Lächelns“ noch erlebt und gemeistert werden, Kulturen und Menschen wollen gespürt und entdeckt werden. Hier wollen wir kurz die Vorbereitung und den Beginn unserer Reise von Deutschland bis in unser Reiseland Nr. 10 Revue passieren lassen.

Visa, Finanzen & Bürokratisches

Zu Anfang stand natürlich die Idee – bei uns lautete diese „Hey, lass uns nach Tokio zu den Olympischen Spielen 2020 radeln!“ Dann kam der eher zähe Teil, unter anderem wollten z.B. Visa organisiert werden. Da wir, aufgrund der Reiseart, oft ein Sondervisuum brauchen, sind wir inzwischen regelrechte Visa-Experten und reisen mit zweu Reisepässen und einem logistischem Konzept durch die Weltgeschichte. Ein Pass begleitet uns stets, der andere liegt auf den verschiedensten Botschaften und wird uns nachgeschickt. Sobald dieser bei uns angekommen ist, wird der andere Pass in die nächste Botschaft geschickt.

Pasta Gorillas auf dem Weg nach Tokio

Dann war Sparen angesagt. So haben wir überflüssigen angesammelten Plunder über Plattformen wie Ebay, Facebook Verkaufsgruppen oder Flohmärkte verkauft. Auch jegliche Art von Nebenjobs waren uns willkommen, egal ob Entrümpelungen in einem alten Lagerhaus oder an den Wochenenden zu kellnern. Keine Frage, ein Nebenjob zum Hauptberuf hat nicht gerade die Work-Life-Balance gefördert, aber wir hatten stets unser Reiseziel vor Augen. Wenn das nicht Motivation genug ist!? Verzichtet wurde außerdem auf Überflüssiges. Klar sind wir nicht dazu übergegangen, nur noch von Brot und Wasser zu leben, aber Ausgaben wie Restaurantbesuche, Kurztrips oder unnütze Abonnements wurden auf den Prüfstand gestellt und entsprechend eingestellt.

Alle anderen behördlichen und ärztlichen Angelegenheiten konnten bequem mit einer gewissen Vorlaufzeit erledigt werden. Da heißt es einfach abarbeiten: Job kündigen, Impfungen einholen, Wohnung untervermieten, Verträge stilllegen oder kündigen, Vollmachten für die Banken, Post etc. ausfüllen, wichtige Dokumente scannen und abspeichern, sich um die richtige Versicherung kümmern etc. All das war für uns schon Teil der Reise, gerade Verträge zu kündigen und die To-Do-Liste abzuarbeiten wirkte schon ziemlich befreiend.

Routenplanung und Reisevorbereitungen

Im Vorfeld habe wir natürlich auch eine grobe Route überlegt, dies allerdings immer wieder verworfen, umgeplant und verfeinert. Warum? Wer die politische und wirtschaftliche Lage der Welt verfolgt, stellt schnell fest, dass es leider nicht auf der ganzen Welt friedlich zugeht.  Will man wirklich durch ein Kriegsgebiet radeln? Oder im tiefsten Winter in Sibirien verweilen? In der Regenzeit in Indien? Solche Eckpunkte wurden lange diskutiert und haben Kompromisse in der Gruppe gefunden. Ob das alles so funktioniert, werden wir sehen. Alle Fragezeichen kann man und will man nicht erörtern. Das würde die Reise vermiesen und ein Abenteuer beginnt ja bekanntlich erst da, wo die Planung aufhört. Scheitern gehört dazu, es läuft nicht immer alles glatt. Deshalb lautet unser jetziges Tour-Motto „Without a Plan to Japan“.

Pasta Gorillas springen ins Wasser
"Ohne Plan nach Japan"

Die körperliche Fitness ist bei einer Reise übrigens gar nicht so eine schwerwiegender, gravierender Punkt, einer Grundfitness ist natürlich von Vorteil. Ansonsten gewöhnen sich Körper und Kopf an die täglichen physischen und psychischen Herausforderungen.

Auf nach Japan!

Ende April 2019 ging es dann endlich los. Die Räder waren gepackt, die Vorfreude hatte ihren Siedepunkt erreicht und wir waren bereit für alle Pisten dieser Welt. Die intensive Zeit der Vorbereitung war abgeschlossen, Freunde und Familie wurden nochmals geherzt und verabschiedet, danach stiegen wir endgültig auf unsere Velotraum-Expeditionsräder mit dem exotischen Ziel Tokio. Petrus machte uns in den ersten 4 Wochen unmissverständlich klar, wer außerhalb der heimischen Komfortzone das letzte Wort hat. Die ersten 25 Tage mussten wir uns mit Dauerregen, Wind und kühlen Temperaturen arrangieren. Ein erster Härtetest für Mensch und Technik.

Die Magie des Reisens spielt sich oft neben der Route ab.

Wie der legendäre Balkanexpress suchten auch wir unseren Weg von Deutschland in Richtung Istanbul. Erschlagen wurden wir allerdings nicht vom eher miserablen Wetter, sondern von der enormen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Menschen. Tee, Eis, Brot, Käse oder einen selbstgebrannter Schnaps, entlang der Donau hatten die Menschen ein großes und unglaublich spendables Herz für uns und stets ein offenes Ohr für unsere Geschichten. Sobald unser Ziel Tokio ins Spiel kam wurden die Augen größer und die Schnapsgläser ein weiteres Mal gefüllt. Die Magie des Reisens spielt sich eben oft neben der Route ab.

Pasta Gorillas mit Hund
Pasta gibt Energie für Radreisen

Muskelkraft, Pasta und jede Menge Herausforderungen

Die Instinkte sind nach 60 Tagen Warmup aus ihrer Schlummerfunktion erwacht und wir saugen 24 Stunden am Tag neue Eindrücke, Bilder, Gerüche und Geschichten auf. Das Rad gepaart mit eigener Muskelkraft stellt dafür die perfekte Reisegeschwindigkeit. So werden alle Eindrücke gutverdaulich im Moment gelebt und verarbeitet. Über 20 Kilo Pasta sorgten bislang für einen stets gut gefüllten Kohlenhydrathaushalt. Egal ob Wasserschlangen beim Baden, sintflutartige Regenfälle, rabiate türkische Minibusfahrer oder die enorme Hitze im Landesinneren Georgiens, bislang haben wir jede Herausforderung erfolgreich meistern können. Wir genießen die Ruhe in der Natur, freuen uns aber genauso über all die Begegnungen und hoffen, die uns entgegengebrachte Herzlichkeit und Gastfreundschaft auf irgendeine Art und Weise im Laufe der Reise weitergeben zu können.

Bis bald,

Eure Pasta-Gorillas

Camping Spot der Pasta Gorillas
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