Lawinen-Airbag-Systeme für Skitourengeher und Freerider

So findest du den richtigen Lawinen-Airbag-Rucksack.
Airbag Rucksack

Die Sicherheitsstandards beim Skitourengehen und Freeriden sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Wir haben uns mit einem Experten auf diesem Gebiet unterhalten. Wolfgang Pohl ist Leiter der SportScheck Berg-und Skischule sowie langjähriger Bergführer- und Skilehrerausbilder.

Aktuell scheint das Angebot an Lawinen-Airbag-Rucksäcken fast schon unüberschaubar zu sein. Kannst du uns da einen kurzen Überblick geben?

W.Pohl: Nachdem das ABS-Patent für Lawinen-Airbag-Systeme ausgelaufen ist, hat sich das Angebot auf einen Schlag vervielfacht. Nicht nur, dass nun fünf weitere unabhängige Hersteller dazugekommen sind, sondern auch weil ABS, der Erfinder der Lawinen-Airbag-Rucksäcke, seine bewährte Airbag-Einheit inzwischen auch sechs anderen namhaften Rucksackherstellern wie z.B. DEUTER und THE NORTH FACE zur Verfügung stellt. Innerhalb seiner beiden eigenen Systeme „Solid“ und „P.Ride“ bietet ABS so genannte Base Units an. Diese können mittels eines einfachen Rundum-Reißverschlusses mit verschiedensten Zip-On-Bags verbunden werden. So kann jeder Tourengeher und Freerider je nach Einsatzbereich und benötigtem Rucksackvolumen den für ihn geeigneten Lawinen-Airbag-Rucksack zusammenstellen.

Unabhängig von ABS haben aber auch ORTOVOX mit seinem Avabag, SCOTT mit dem Alpride, BCA mit der Float-Serie und MAMMUT mit dem RAS System sehr interessante Lösungen. Die unterscheiden sich nur geringfügig in Gewicht, Preis und der Funktionalität. Allen ist jedoch gemein, dass sie im Gegensatz zu ABS nur einen Airbag nutzen, was ein entscheidender Nachteil sein kann. Beispielsweise wenn der Mono-Airbag durch Kontakt mit einem Felsen zerstört wird. Interessant ist schließlich noch das von BLACK DIAMOND und PIEPS gemeinsam entwickelte Jetforce-System. Es funktioniert ausschließlich durch Ansaugen der Umgebungsluft über eine akkubetriebene Düse und kommt damit ohne die teuren Gaskartuschen aus. Allerdings verfügt auch dieses System nur über einen Mono-Airbag.

Warum sollte ein Skitourengeher einen Lawinen-Airbag-Rucksack mitnehmen? Reicht nicht die klassische Notfallausrüstung mit LVS-Gerät, Lawinenschaufel und Lawinensonde?

W.Pohl: Im Gegensatz zur Standard-Notfallausrüstung, die für jeden Skitourengeher und Freerider obligatorisch ist, bietet ein Lawinen-Airbag-Rucksack als einziges System die Chance, bei einem Lawinenabgang nicht verschüttet zu werden. Ich reduziere nicht nur wirksam, das Risiko einer Lawinenverschüttung, sondern erhöhe meine Überlebenswahrscheinlichkeit auf 97%. Deshalb komme ich an diesem System nicht vorbei.

Tipps für Skitour und Freeride

Das belegen letztlich auch alle wissenschaftlichen Studien. Unter anderem vom Schweizer Lawinenforschungsinstitut SLF in Davos. Aus diesem Grund benutzen heute auch nahezu alle professionellen Bergführer und Alpinausbilder Lawinen-Airbag-Rucksäcke.

Hast Du einen Favoriten unter den Lawinen-Airbag-Rucksäcken? Falls ja, warum?

W.Pohl: Mein Favorit ist ganz klar der ABS Lawinenrucksack. In diesem ausgereiften System stecken über 30 Jahre Entwicklungsarbeit und Know-how. Zudem ist der Doppel-Airbag dem Mono-Airbag klar überlegen und ich kann meinen ABS-Lawinenrucksack mit den verschiedenen Zip-On-Bags optimal auf meine Bedürfnisse und den Einsatzzweck abstimmen. Egal, ob ich als Bergführer oder privat beim Freeriden oder auf Skitour unterwegs bin: Der ABS Lawinen-Airbag-Rucksack gehört im Winter zu meiner Standardausrüstung.

Was sonst gehört unbedingt noch in Deinen Lawinenrucksack, wenn Du im Winter auf Tour bist?

W.Pohl: Je nach Länge und Anforderung der Tour gehören neben Schaufel und Sonde auf jeden Fall noch Wechselwäsche, eine isolierende Jacke, Reservehandschuhe und ein Erste-Hilfe-Set in den Rucksack. Dazu eine Thermosflasche mit einem heißen Getränk und etwas Tourenproviant sowie eine topographische Karte und ein GPS-Gerät inklusive Kompass und Höhenmesser zur Orientierung. Hier gibt es aber schon außergewöhnlich leistungsfähige und leicht zu bedienende Handgelenkscomputer, die einen auch auf langen Touren und permanenten GPS-Betrieb nicht im Stich lassen.

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