„Es wird nicht langweilig!“ - Laura Dahlmeier über das Leben nach der Biathlonkarriere

Was machen Profisportler eigentlich, wenn ihre Karriere beendet ist? Darüber haben wir mit Laura Dahlmeier gesprochen. Die ehemalige Star-Biathletin hat sich jede Menge neue Ziele gesetzt. Im Interview verrät sie uns, wie man Studentenleben, Jobs und Sport unter einen Hut bekommt.
Laura Dahlmeier Biathletin Interview

SportScheck Hallo Laura, wir freuen uns sehr, dass wir dich heute interviewen dürfen. Du machst mittlerweile ja sehr viele verschiedene Sachen: Du hast den Trainerschein angefangen, bist Brand Ambassador bei adidas, hast ein Buch geschrieben, bei der Berglauf WM teilgenommen, ein Studium begonnen und fängst an, bei zdfsport zu arbeiten. Wie fühlt es sich nach jahrelangem Fokus auf den Profisport an, so viele verschiedene Dinge auf einmal zu machen?

Laura Dahlmeier: (lacht) Fühlt sich ganz ähnlich an, wie es sich auch anhört. Im ersten Moment sind das echt viele und verschiedene Sachen. Ich habe mich nach der aktiven Biathlon Karriere aber voll darauf gefreut, einfach vieles anzuschauen und mich selbst auszuprobieren. Obwohl es sehr viele Sachen in verschiedene Richtungen sind, macht es mir unheimlich viel Spaß. Es gibt jeden Tag so viel Neues zu sehen und erleben. Es wird nicht langweilig, ich bin gut gefordert und trotzdem einfach mit Freude dabei.

Was macht Laura Dahlmeier?

SportScheck: Was hat dich zum Berglauf gebracht?

Laura: Das war eigentlich eher ein Zufallsprodukt. Ich habe im Frühjahr relativ viel Zeit gehabt und wollte meine Langlauf- und Biathlon-Ausrüstung erstmal nicht mehr sehen und hab sie verräumt. Danach war ich viel Laufen bei mir daheim. Recht spontan habe ich einen Startplatz für den Zugspitz Ultratrail bekommen. Es lief dann auch richtig gut, ich bin super durchs Rennen gekommen und habe es auch gewonnen. Über den Sommer hab ich so vor mich hin trainiert und am Karwendelmarsch teilgenommen. Dort ich habe sogar einen neuen Streckenrekord aufgestellt.

Ich wusste erstmal gar nicht, was eine Berglaufweltmeisterschaft Long Distance ist

Danach rief mich der Verantwortliche vom Deutschen Leichtathletik-Verband an und fragte mich, ob ich zur WM mitfahren will. Ich wusste erstmal gar nicht, was eine Berglaufweltmeisterschaft Long Distance ist und habe gefragt, warum ausgerechnet ich? Er meinte dann, ich hätte die Qualiläufe gewonnen. Ich dachte, das werde ich schon hinbekommen mit dem Studium – und warum eigentlich nicht? Mir ging‘s nicht ums Gewinnen, aber für mich war es trotzdem eine coole Erfahrung, dabei zu sein. Bei dieser WM habe ich mich mit den besten Bergläufern der Welt messen dürfen, das hat sehr Spaß gemacht.

SportScheck: War da die Stimmung ähnlich wie beim Biathlon?

Laura: Für mich persönlich war es schon mal ganz anders, weil ich gewusst habe, es ist eine sportliche Herausforderung, aber es hat für mich nicht denselben Stellenwert wie eine Biathlon-WM. Ich habe versucht, mich gut vorzubereiten und mein Bestes zu geben, aber ich hab mein Leben nicht danach ausgerichtet. Die Stimmung war vom Publikum und auch für mich viel lockerer und gelöster. Das ganze Drumherum wurde nicht so krass aufgezogen wie beim Biathlon. So konnte man viel näher an den Fans sein und auch noch kurz mal „Servus“ sagen.

Laura Dahlmeier Biathlonkarriere

SportScheck: Gibt es noch eine Sportart, die du schon immer einmal ausprobieren wolltest?

Laura: Also ich probiere Sachen glaub ich schon ganz gerne aus. Ich hab mal Surfen versucht, habe aber nach zwei, drei Stunden schnell aufgegeben (lacht). Was mich echt interessieren würde, wäre Highlinen. Slacklinen habe ich schon gemacht, aber das einmal mit jemanden zusammen machen, der das richtig gut kann, und dann auch noch in der Höhe, das würde mich faszinieren.

SportScheck: Wie kann man sich, deiner Meinung nach, am besten selbst treu bleiben und auf seine Ziele im Sport fokussieren?

Laura: Ich glaube dazu ist es sehr wichtig, dass man sich immer wieder reflektiert und sich nicht zu sehr von außen vereinnahmen lässt. Dazu hilft glaub ich noch unheimlich, wenn man gute Leute im Hintergrund hat, egal ob Freunde oder Familie. Menschen, auf die man sich verlassen kann, die immer da sind, egal ob es gut oder schlecht läuft. Man braucht ein gutes Team um sich herum.

Man muss wissen, was man wirklich selber will, wo man hin will und wie man das schafft. 
Laura Dahlmeier

SportScheck: Hast du durch deine Sportkarriere eine andere Herangehensweise in Bezug auf dein Studium als deine Kommilitonen?

Laura: Teils teils. Ich habe schon ein paar Bezugspunkte zur Praxis, die ein anderer Student nicht hat. Aber genauso merke ich auch, dass ich die letzten Jahre hauptsächlich Biathlon gemacht habe und meine Birne nicht so oft trainiert habe. Im Vergleich zu den 18-Jährigen, die gerade frisch von der Schule kommen, denen das Lernen leichter fällt. Es gibt ein paar Sachen die unterschiedlich sind, aber im Allgemeinen hab ich weder einen großen Vor- noch Nachteil.

SportScheck: Wie kamst du dazu, ein Buch zu schreiben?

Laura: Das hat sich mit meinem Partner Viessmann herausgebildet. Denen ist Umweltschutz total wichtig und mir auch. Sowas ist nicht immer einfach mit dem Leistungssport zu vereinbaren. Mein Ziel war, Bewusstsein zu schaffen und zum Nachdenken anzuregen. Als wir das Projekt begonnen haben, war der Klimaschutz noch nicht so stark in den Medien wie zurzeit. Während die Idee dann so entstanden ist, hat es mich total fasziniert, ein Kinderbuch zu schreiben. Wir haben das Buch mit sehr vielen Mitmachteilen, also zum Anfassen, gestaltet. In meinem Bekanntenkreis habe ich schon mitbekommen, dass ein Kind, dem ich das Buch geschenkt habe, auf einmal doch zum Einschlafen kein Licht mehr braucht, um Energie zu sparen (lacht). Da merkt man, dass es auch ankommt bei den Kindern. Sie machen sich Gedanken und teilen diese weiter mit Freunden und Familie – und das ist das Ziel des Buches.

Laura Dahlmeier Langlauf

SportScheck: Wenn du eine Person deiner Wahl interviewen dürftest, welche wäre das und warum?

Laura: (überlegt) Ich glaube, den Dalai-Lama. Das wäre super lustig und er würde viel lachen. Mich interessiert seine Herangehens- und Sichtweise bei bestimmten Dingen, weil er mit vermeintlich schwierigen Themen konfrontiert wird und auf eine charmante und lustige, aber trotzdem ernste Art Stellung nimmt. Ich glaube, das wäre einfach ein interessanter Gesprächspartner – egal um was es geht.

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