Kartoffelsuppe mit Angela Merkel – Bill Kaulitz im Interview

Teenie-Idol, Stil-Ikone und Tokio Hotel Frontsänger – niemand war geeigneter als Bill Kaulitz, den MADE FOR MORE AWARD in der Kategorie Creator zu überreichen. Im Interview mit Nikeata Thomspon erzählt er von seinen Wurzeln, seiner neuen Heimat und warum ihm Angela Merkel am Herzen liegt.
Tokio Hotel Sänger Bill Kaulitz beim Made For More Award

Tokio Hotel? - "Wir sind eine Familie"

Nikeata Thompson: Was ist an dir More?

Bill Kaulitz: Ich mache ja alles Mögliche, aber Mode war neben meiner Musikkarriere schon immer meine riesengroße Leidenschaft. Ich hab als kleiner Junge schon angefangen, zu sketchen und Sachen selber zu entwerfen. Da hatte ich natürlich noch keine Kohle, mir Klamotten zu kaufen. Ich bin dann immer in so nen Billigdiscounter, hab mir drei, vier T-Shirts gekauft und hab daraus neue gemacht.

Ich liebe Tiere außerdem über alles und habe ja auch einen kleinen Hund. Stitch, eine englische Bulldogge, die jetzt fünf Monate alt ist. Es war echt hart, ihn jetzt zurückzulassen und zum Hundesitter zu geben. Ich würde sagen, das sind so meine Mores.

Bill Kaulitz auf dem roten Teppich beim Made for More Award
Bills große Leidenschaft neben der Musik? Fashion!

Ich glaube, du bist noch viel viel mehr. Aber du bist ja ein bescheidener Mensch, das ist ja wiederum eine Tugend, die gar nicht so schlecht ist.

Bill: Ich finde, je mehr man im Leben erreicht hat, umso entspannter muss man sein, weil man dann ja eigentlich keinen Stress mehr hat. Mir ging‘s ganz oft so, dass ich Künstler total toll fand und geliebt habe. Als ich die dann getroffen habe, fand ich die Person oft total scheiße. Das macht alles kaputt und danach konnte ich die Songs nicht mehr hören oder auf die Konzerte gehen.

Tom und mir und auch den anderen beiden Jungs ist ganz wichtig, dass wir wissen, wo wir herkommen. Wir sind ja zusammen aufgewachsen – wir sind eine Family, die unterwegs ist.

Bill Kaulitz im Interview mit Nikeata Thompson

Das find ich sehr wichtig, weil man ja immer denkt, dass irgendwann alles kaputtgehen muss, weil alle auf den Leadsänger gucken. Dadurch, dass ihr aber wie eine Familie seid, ist das ganz entspannt bei euch.

Bill: Ja, vor allem hat auch jeder von uns seine Rolle gefunden. Wenn ich zum Beispiel auf einem Single-Cover bin, dann schreiben mir alle: „Wo sind die anderen? Die armen, die werden immer außen vor gelassen!“ Ich muss euch wirklich sagen, die sind froh, wenn die da nicht drauf sind und kein Fotoshooting machen müssen. Ich hab es immer schon geliebt, auf der Bühne zu stehen und Performer zu sein. Georg und Gustav sind froh, wenn sie keiner anguckt, sie sich irgendwo hinter den Lichtern verstecken können und halt einfach ihre Instrumente spielen dürfen. Das lieben die! Tom zum Beispiel liebt’s, im Studio zu sein und die Sachen zu produzieren. Jeder hat so sein Ding und das hat sich ganz normal entwickelt.

"L.A. hat uns in vielerlei Hinsicht wirklich gerettet"

Das merkt man auch bei euch, und das ist schön. Ich glaube, dass dein Bruder und du nach L.A. gezogen seid, weil ihr da freier sein könnt.

Bill: Total. Wir waren irgendwann an so einem Punkt unserer Karriere, wo ich mich selber gar nicht mehr sehen und das alles nicht mehr hören konnte. Mir war das alles too much. Es ging viel zu wenig um das, was wir machen, und viel zu viel um unser Privatleben. Das ist ein bisschen außer Kontrolle geraten damals. Ich wollte mal wieder frei die Straße runter laufen und ganz normale Sachen machen. Wir hatten so ein isoliertes Leben, waren immer nur in zugezogenen Hotelzimmern, konnten nirgends rausgehen und waren gar nicht mehr Teil vom Leben. Man läuft immer mit geducktem Kopf, dass einen keiner anquatscht. Man ist wie so ein isolierter Alien. Dabei liebe ich Menschen und ich liebe es, mit Menschen zusammen zu sein. Das wollte ich unbedingt wieder. L.A. hat uns in vielerlei Hinsicht wirklich gerettet. Frei zu sein, kreativ zu sein, wieder Lust zu kriegen auf das Ganze.

Bill Kaulitz glücklich

Standen deine Eltern immer hinter dem Ganzen?

Bill: Absolut! Unsere Eltern haben uns immer unterstützt. Mein Stiefpapa hat auch selber in einer Band gespielt. Aber ich weiß noch, als wir damals mit 13 zum Casting nach Berlin zu Star Search gefahren sind. Es war das erste Mal, dass sich auch Kinder bewerben durften und meine Mama hat gesagt: „Bill, da sind wirklich gute Leute dabei. Ich glaube nicht, dass du da eine Chance hast.“ Das hat die ganz lieb gemeint. Aber was dann daraus entstanden ist, fand sie natürlich mega toll. Und heute bei den Konzerten fragen die Leute manchmal, wer denn die stolze Frau ist, die da in der Ecke steht. Sie kommt immer mit, besucht uns auf Tour und so.

"Es gehört viel Mut dazu, individuell zu sein"

Was bedeutet denn für dich Individualität?

Bill: Ich glaube, seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Es gehört ganz viel Mut dazu, individuell und anders zu sein. Ich glaube, es ist aber auch ein Instinkt. Man kann sich nicht einfach nur cool anziehen oder verkleiden, das muss man auch fühlen. Wir sehen alle ganz unterschiedlich aus, Tom und ich ja auch. Er hatte früher immer Dreadlocks und hat HipHop geliebt, damit konnte ich überhaupt nix anfangen. Ich glaube, es ist total wichtig, man selbst zu sein und das nach außen zu kehren. Das ist Individualität.

Bill Kaulitz überreichte den MADE FOR MORE Award in der Kategorie Creator an Melvin Lamberty (rechts)

Wem würdest du denn einen Award verleihen?

Bill: Das ist total schwierig… ich würde gerne – und dafür krieg ich jetzt bestimmt wieder auf den Sack – aber ich würde gerne Angela Merkel einen Award verleihen. Politiker haben ja eine wahnsinnig schwierige Aufgabe und ich finde, Angela Merkel hat gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit einen guten Job gemacht. Ich finde sie ganz toll und sie liegt mir irgendwie am Herzen. Sie hat einen Award verdient! Und ich würde so gerne mit ihr mal Kartoffelsuppe essen – ich hab gehört sie macht total gute Kartoffelsuppe – und ihr dann einen Award verleihen.

Was sonst noch beim MADE FOR MORE AWARD passiert ist? Hier entdecken! 

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