Swen Losinsky: Made for More than trails

Trailrunner, Abenteurer, Tattoo Artist, Grenzgänger – Swen Losinski ist nicht nur Sportler. Swen Losinsky ist Made for More.
Trailrunner Swen Losinsky

Bevor Swen Losinsky begann, Grenzen zu überwinden, suchte er sie. Er wuchs in Ostberlin auf und ging dort auf die Sportschule. Sein Alltag hatte einen klaren Takt: Zwischen den Unterrichtsstunden gab es täglich zwei Trainingseinheiten. Er war Gewichtheber, Leistungssportler. Nach dem Abschluss Ende der 90er Jahre stand er vor der großen Frage: Wohin? Welchen Weg soll ich einschlagen? Gab es einen besseren Ort als Berlin für eine aufregende Zukunft? Für Swen schon.

Abenteuer bei der Bundeswehr, Erfüllung beim Tätowieren

„Für mich war Berlin zu frei“, sagt er. Ihm fehlte eine Richtung, in die er gehen konnte. Etwas Konkretes. Also entschied er sich für die Bundeswehr und ging 1999 zu den Fallschirmjägern. Denn noch etwas pochte in seiner Brust: Die Sehnsucht nach Abenteuer. „Ich glaube, als junger Mann braucht man das“, sagt er. Also zog er los – und fand verschiedenste Abenteuer. Er fuhr als Soldat auf Einsätze. Er heiratete und bekam eine Tochter. Neben der Bundeswehr machte er eine Ausbildung als Grafiker in München.

Tattoo Artist Swen Losinsky bei der Arbeit

Und doch blieb das Gefühl, das noch etwas fehlte. Bis er eines Tages einen Tätowierer kennenlernte, der ihn inspirierte, selbst das Handwerk zu lernen. 

Swen begann, anderen Bilder, Wünsche und Visionen in die Haut zu stechen. Er tätowierte Soldaten auf Einsätzen, lebte zeitweilig in Koblenz und ging nach zehn Jahren Abwesenheit zurück in seine Heimat. Heute ist Swen 38 Jahre alt und führt in Berlin-Mitte sein eigenes Studio „Good Old Times Tattoo“. „Tätowieren“, sagt Swen, „ist mein Leben.“ Und es passt zu ihm, weil es etwas von der Freiheit hat, die er sucht.

Durch das Tätowieren entwickelt man eine gewisse Charaktereigenschaft. Man möchte sich nicht mehr in eine Form pressen lassen.
Swen Losinsky zeichnet Tattoo Entwürfe

Jeden Tag ein Marathon

Sich formen lassen, das tut Swen auch sonst nicht: Er ist Ultra Runner. In seiner Freizeit fährt er auf Races, bei denen er teilweise eine Woche lang jeden Tag einen Marathon läuft – oder mehr. „Das Laufen“, sagt Swen, „ist für mich ein Werkzeug, um die Welt zu erkunden“ Am meisten liebt er es, wenn er dabei draußen ist. Wenn er das Meeresrauschen hört, ein Krachen in den Bergen, wenn er die frische Luft einatmet, kurz nach dem Regen. Selbst Stürme halten ihn nicht vom Laufen ab. Es ist seine Meditation. Sein Ausgleich. Sein Weg. Er liebt es, nach einem langen Lauf in den Wäldern um Berlin zurück zu seinem Auto zu kommen – nass, voller Schlamm und Matsch, aber glücklich, weil er sich selber spürt.

Grenzen gibt es eigentlich nicht. Sie sind nur bei uns im Kopf.

Jedes Jahr setzt er sich deshalb ein Ziel. „Irgendein total krankes Rennen“, sagt er und grinst. Etwas, auf das er hintrainieren kann. Etwas, das eigentlich gar nicht möglich ist. Es trotzdem zu schaffen gebe ihm ein gewisses Gefühl von Befriedigung – und das Gefühl, eine Grenze überschritten zu haben.

Swen Losinsky beim Laufen im Morgengrauen

Wenn man die Blockaden überwinde, sei eigentlich alles ziemlich einfach. Deshalb sucht Swen die Grenzen bis heute. Um Erfahrungen zu machen. Um etwas über sich selbst zu lernen. Um zu testen, wie weit er gehen kann.

Wo er jetzt noch hinwill? Er überlegt. Nach Nepal, auf den Annapurna-Trail, den Mount Everest, in den Dschungel von Peru, die Antarktis. Ihm fällt einiges ein. Sir Edmund Hillary würde das sicher gefallen. Wie sagte der noch so schön? „Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen, wir bezwingen uns selbst.“

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