Streetart meets SportScheck: Das neue Highlight im Münchener Store

Dreckig, elegant und zeitlos: Unsere Sneaker Wall im Münchener Store erstrahlt in neuem Design! Wir hatten die Ehre, sie von Streetart-Künstler Engin Dogan anfertigen zu lassen. Woher er seine Ideen nimmt, welche Begegnungen er mit Schaulustigen hatte und was ihm Streetart bedeutet, erzählt uns Engin im exklusiven Interview.
Streetart Sneakerwall im SportScheck Store München
Photo by Elfetherios Kotsaridis

Hallo Engin, vielen Dank für deine Arbeit. Innerhalb von einer Woche kreiertest du ein völlig neues Kunstwerk in unserem SportScheck Store in der Neuhauser Straße – die Sneaker Wall ist ein echter Hingucker! Doch fangen wir ganz von vorne an: Wie bist du zu diesem erfolgreichen Streetart-Künstler geworden?

Mitte der 90er fing ich ganz klassisch erst mit Tags in meiner Stadt an, mit fließenden Übergang zu Graffiti, Streetbombing und Trainwriting. Dadurch konnte ich meine schier endlose Energie in etwas Positives verwandeln. Es reichte mir bald nicht mehr nur nachts durch die Stadt zu ziehen, ich wollte auch tagsüber malen. Hierfür war Streetart der richtige Weg.

In der Zwischenzeit war der Streetart-Hype auch in Deutschland angekommen und ich begann, mit meinen Arbeiten Geld zu verdienen. Als logische Konsequenz eröffnete ich nach der URBAN ART Agentur die URBAN ART Galerie in Aschaffenburg.

Streetart-Künstler Engin Dogan
Photo by Elfetherios Kotsaridis

Ende 2013 am Höhepunkt des Hypes packte ich meinen Rucksack voller Farben und verließ die kleine Stadt, die mich schon immer einzuengen schien und bereiste für die nächsten drei Jahre erst Europa und dann quer Südostasien. Der Reichtum der verschiedenen Schriftbilder in diesen Regionen – neue Schwünge, neue Richtungen – hat mich dermaßen inspiriert, dass ich bis heute in all meinen Arbeiten davon beeinflusst bin. Heute bezeichne ich mich als kryptischen Kalligrafie-Writer.

Was genau steckt hinter Streetart und Graffiti? Gibt es da einen Unterschied?

Obwohl Streetart und Graffiti zur gleichen urbanen Kunstbewegung gehören, sollte man sie auf keinen Fall in die gleiche Schublade stecken.

Streetart bedeutet Stickern, Plakatieren und Spielen mit dem Schwellenwert. Streetart kann jeder machen, der einen Computer hat und ein bisschen gesellschaftskritisch ist. Graffiti kommt dagegen aus dem Handgelenk. Das ist wahre Kunst.

Beim Graffiti geht es ausschließlich um Buchstaben, es geht darum, ihnen Energie zu schenken und Styles in sie zu stecken. Man füllt sie bunt aus, gibt ihnen Schatten, einen Background, Outlines und Highlights, um sie scheinen und tanzen zu lassen. Darüber hinaus geht es um Fame. Man will seine Buchstaben in die ganze Welt hinaustragen.

Engin Dogan gestaltet die Streetart-Wall im Münchner SportScheck Store
Photo by Elfetherios Kotsaridis

Deine positive Energie von früher spiegelt sich bis heute noch in deinen Arbeiten wider. Welche Einflüsse haben dich und deine Arbeit am meisten geprägt?

Jeder Künstler hat in seinen Schaffensphasen verschiedene Einflüsse. Bei mir waren es in den 90ern Graffiti Oldschool Legenden wie SEEN aus New York und SAIK aus Deutschland. Seitdem ich mich auf kryptische Kalligraphie spezialisiert habe, inspiriert mich PIXADOR aus Brasilien, was wohl die gefährlichste Kunstart der Welt ist. Das kombiniert mit Schwüngen aus ganz Südostasien ist das, was mich momentan vorantreibt.

Welche Verbindung besteht deiner Meinung nach zwischen Streetart und Sneakern?

Ich denke die Verbindung besteht seit den ersten Stunden. Bereits in den 80ern, als durch Filme wie Wildstyle und Beatstreet meine Kunstbewegung nach Europa schwappte, waren gewisse Sneaker-Modelle von Adidas und Puma ein klares Erkennungsmerkmal der damals noch jungen Subkultur.

Hier ist es wichtig, die richtigen Schuhe zu tragen. Hätte ich mein ganzes Leben Cowboystiefel getragen, hätte ich in meiner Vergangenheit bestimmt einige Rechnungen mehr zahlen müssen…

Als du den Auftrag bekommen hast, unsere Sneaker Wall neu zu gestalten, was war der erste Schritt? Wie bereitest du dich auf ein solches Projekt vor?

Zuerst schaue ich mir die zu gestaltende Fläche an, um mir ein Gesamtbild machen zu können. Im zweiten Schritt suche ich das Gespräch mit dem Auftraggeber, um seine Wünsche und Erwartungen zu hören.

Vorab denke ich nur in grafischen Formen, die ich dann in meinem Kopf mit kryptischer Kalligraphie fülle. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass ein im Vorfeld fertig entwickeltes feststehendes Konzept mir später bei der Umsetzung nur im Weg steht, hier ist der Flow extrem wichtig.

Kalligraphie als wichtiges Element in Engin Dogans Streetart
Photo by Elfetherios Kotsaridis

Wie viel von deinem Kunstwerk hast du im Vorfeld geplant? Gab es auch Passagen, die du per Freestyle aus dem Moment heraus gemalt hast?

Lediglich das rein typografische über den Sneakern war anfangs geplant. Der Rest war Freestlyle. Die Typo, für die ich mich letztendlich entschieden habe, könnte man aber auch als Graffiti Blockbuster sehen.

Mit der Sneaker Wall kam eine besondere Herausforderung auf dich zu: Malen vor Live-Publikum in einem geöffneten Store. Wie haben die SportScheck-Kunden auf deine Arbeit reagiert?

Es gab zahlreiche schöne Begegnungen: Fotos und Videos wurden von mir gemacht und ich wurde einige Male angesprochen: „buenisimo“ (zu Deutsch: „großartig“) und „cok güzel“ (zu Deutsch: „sehr nett“)  bekam ich zum Beispiel zu hören. Ich wusste gar nicht, dass München so eine touristische Stadt ist :) Nach meinem Aufenthalt in München hatte ich jedenfalls keine Visitenkarten mehr in meiner Tasche.

Photo by Elfetherios Kotsaridis

Was war die größte Herausforderung beim Gestalten der Sneaker Wall?

In diesem Fall war die Herausforderung, das Bild nicht an einem Stück, sondern in drei Etappen malen zu müssen, und dass meine Arbeit später zu fast 70 Prozent wieder verdeckt wurde.

Was war der schönste Moment?

Als die Mitarbeiter die Sneaker wieder an die Wand hängten und ich sehen konnte, dass meine Idee an dieser Wand funktioniert und toll aussieht, habe ich Gänsehaut bekommen! Es ist eine gute Mischung zwischen Kunst und Sneakern.

Vielen Dank für das Interview und das großartige Ergebnis, Engin!

Kunst und Sneaker: Die Streetart-Wall im SportScheck München
Photo by Elfetherios Kotsaridis
Streetart von Engin Dogan
Photo by Elfetherios Kotsaridis
Streetart-Wall gestaltet von Engin Dogan
Photo by Elfetherios Kotsaridis
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