Gemita Samarra: Made for more than kickboxing

Sportlich, abenteuerlustig, empathisch, engagiert – Gemita Samarra ist die Art Mensch, mit dem man gerne befreundet wäre. Gemita Samarra ist MADE FOR MORE.

Wer Gemita Samarra erlebt, kann gar nicht anders, als zu denken: Warum, verdammt, war sie nicht meine Freundin, als ich Teenager war? Mit ihr wäre gut Pferde stehlen gewesen. Gemita ist lässig, frech und macht, was sie will. Man könnte auch sagen: Sie ist eine Art Pippi Langstrumpf und die Welt ihr Abenteuerspielplatz.

I am not just a kickboxer, I am a stunt girl, freediver, motorcyclist, model, adventurer, swimmer, community gardener, photojournalist, humanitarian and sister.

Schon als Kind konnten ihre Eltern sie kaum zur Ruhe bringen. Ständig wollte sie etwas erleben, neue Sportarten ausprobieren. Früh übte sie sich im Springreiten, Schwimmen, Fechten. „Ich habe mich selbst immer weiter angetrieben“, sagt Gemita. „Ich war nie glücklich, wenn ich nur eine Sache gemacht habe.“ Das ist bis heute so. Die 25-jährige Stuntfrau, die aus England kommt und heute in Kalifornien lebt, ist noch immer ein Tausendsassa.

Stuntfrau und Bondgirl-Double

Gemitas Karriere begann, typisch für sie, nicht geplant, sondern durch Zufall – und unter Wasser. Sie war 17 Jahre alt und bereits bei einer Modelagentur gelistet, deren Mitarbeiter „nicht wirklich wussten, was sie mit mir anfangen sollten“, erzählt sie und grinst. „Es war die Zeit bevor Muskeln und dicke Augenbrauen cool waren.“ Doch dann, eines Tages, leiteten sie ihr eine Anfrage weiter: Es ging um eine Unterwasser-Szene für eine TV-Serie. Gemita, ohne Kameraerfahrung, aber dafür Freitaucherin und Synchronschwimmerin, ging zum Vorsprechen – und bekam die Rolle. Mit dem Kameramann verstand sie sich so gut, dass er ihr weitere Unterwasser-Jobs anbot, meist als Meerjungfrau oder Sirene. „Ich war entweder tot, am Sterben oder ich brachte jemanden um“, sagt sie und lacht.

Später buchte man Gemita auch an Land: Sie raste für Werbespots in schnellen Autos davon, sprang von Hochhäusern oder Wasserfällen – und landete irgendwann beim Film: Gemita war Stuntfrau in Filmen wie „Fast and Furious 6“ und „Kingsmen“, in Serien wie „24“ oder „Game of Thrones“. Im James-Bond-Film „Spectre“ war sie das Double des Bondgirls Lea Seydoux. Wie viele Knochen sie sich schon bei Dreharbeiten brach? Das weiß sie nicht mehr. „Ich bin schlecht darin, ins Krankenhaus zu gehen, wenn ich es sollte.“

Wild Child mit Herz

Fragt man Gemita, was sie antreibt, erzählt sie von ihrer "Obsession, so viel wie möglich zu lernen und so viel wie möglich zu sehen". Wie ihr Bruder sie beschreiben würde? „Er würde sagen, ich sei wild“, sagt sie, „und vermutlich auch waghalsig.“ Manchmal mache er sich Sorgen, dass sie nicht zur Ruhe komme. Aber so sei sie eben schon immer gewesen. Außerdem könne sie ja immer noch ausbrechen, wenn ihr alles zu viel wird.

Das hat Gemita schon einmal getan: Mit 19, als sie das Gefühl hatte, sie hätte zu viele Sachen, die sie einengen und schwer machen. Sie packte ihr Zelt, nahm ihren Wolfshund Lupa und zog für sieben Monate in die Natur. Gemita hatte nie Angst vor dem Alleinsein. Heute geht sie in ihrer freien Zeit am liebsten Boxen, Wellenreiten, Klettern, Reiten oder Skateboard fahren. Oder vergrößert ihre Welt auf andere Weise: Sie arbeitete zum Beispiel für eine Filmproduktion in Kalifornien, mit der sie Tier-Dokus über Haie und Wölfe drehte. Sie erkannte, dass hinter dem Phänomen wegsterbender Tierarten stets menschliche Probleme stecken. Dass gewildert wird, weil Menschen keine Alternativen sehen.

Charity-Aktivistin

Dabei habe sie viel Leid gesehen, sagt Gemita. Und es reichte ihr nicht, das in Dokumentarfilmen festzuhalten. Sie ging zurück und fragte die Leute: "Was braucht ihr eigentlich?" Die Antwort war: "Keine große Filmcrew, sondern konkrete Dinge wie eine Schule, ein Krankenhaus, Wohnungen."  

Wenn du einen größeren Fisch fangen willst, musst du in einem größeren Ozean fischen.

Also entschied sie sich, gemeinnützige Arbeit zu leisten. 2017 gründete sie eine Charity-Organisation namens My name is human, die sich darauf konzentriert, Flüchtlinge und Obdachlose zu unterstützen, ihnen die Werkzeuge in die Hand zu geben, selbstbestimmt zu leben. Die Organisation verfolgt zahlreiche Projekte. Darunter die Errichtung von Gemeinschaftsgärten zur Selbstversorgung. Immer wieder staunt man, wie Gemita das alles auf die Reihe bekommt. Aber irgendwie schafft sie es. „Wenn du einen größeren Fisch fangen willst, musst du in einem größeren Ozean fischen.“ Seichte Wasser sind nichts für die Abenteurerin.

Diese Beiträge könnten dich auch noch interessieren