Testschuhbericht Adidas UltraBoost 20 - "Ein guter Laufschuh muss nicht eingelaufen werden"

Sportwissenschaftler, Physiotherapeut und Marathonläufer David Schönherr testet den Adidas Ultraboost 20. Seine Eindrücke, Erfahrungen und Fazit könnt ihr dem Testbericht entnehmen.

„Ein guter Laufschuh muss nicht eingelaufen werden“   

Mit dieser Devise war mein erster Test des neuen Adidas Ultraboost 20 gleich ein hochwertiger 33 km-Lauf: erst 17 km einrollen (4:10 min/km), dann 16 km deutlich schneller (3:37 min/km). Ich wollte direkt herausfinden, wie sich der Schuh auch bei hohen Belastungen anfühlt und habe bewusst aus der Ermüdung noch einige schnelle Kilometer in den Longrun eingestreut. Ich muss zugeben, dass mich selten ein Laufschuh schon auf den ersten Kilometern so überzeugt hat. Von Anfang an habe ich mich in den Schuhen wohl gefühlt. Die Passform ist mit dem sockenähnlichen Obermaterial, dem Primeknit, wie für meine Füße gemacht und auch im Mittelfußbereich sitzt der Schuh wie angegossen. Der Vortrieb und die Energierückgabe sind außergewöhnlich gut und ich habe trotz des weichen Boost-Materials nie ein zu „schwammiges“ Gefühl. Für die charakteristische Mittelsohle wurde 20 Prozent mehr Boost-Material als bei den Vorgängermodellen eingesetzt. Der Laufeindruck bleibt somit auch nach mehr als 30 km weich gedämpft und sehr komfortabel. Das Abrollverhalten wirkt sehr rund und harmonisch, dank der neuen, beweglicheren Torsionsbrücke. Oft heißt es, dass ein Schuh entweder weich dämpft oder dynamisch ist. Der Adidas Ultraboost 20 schafft es beide Elemente zu vereinen und es ist tatsächlich möglich auch mit einem super soften Schuh, ein direktes und dynamisches Gefühl bei jedem Schritt vermittelt zu bekommen. Die Sprengung von 10 mm lässt auch einen flachen „initial contact“, also ein erstes Aufkommen des Fußes über den Mittelfuß zu.

Runde zwei des Tests 

Bei meinem zweiten Test mit dem Schuh wollte ich es wissen und habe versucht, einige Kilometer in etwa 3:00 min/km auf der Tartanbahn zu rennen. Dabei musste ich feststellen, dass der Adidas Ultraboost 20 meiner Einschätzung nach eher für härteren Untergrund als für weichen Stadionbelag geeignet ist–zumindest, wenn es sehr schnell werden soll. Das Zusammenspiel von weichem Tartan und softem Boost-Material war für mich zu viel des Guten und ich hatte etwas das Gefühl, an Abdruck zu verlieren und in der Dämpfung zu versinken. Diese Erkenntnis ist selbstverständlich nicht überraschend, da ein gut dämpfender Schuh selten bei Tempoläufen im Stadion funktioniert. Auf dem Asphalt spielt der Adidas jedoch seine Stärken aus. Durch die Continental-Außensohle hatte ich selbst auf nasser und glatter Strecke immer das Gefühl, einen guten Grip zu haben.

Adidas Ultra Boost 20

Unterstützung des Fersenbereichs mit der Fitcounter-Fersenklappe 

Des Weiteren ist mir beim Testen eines Laufschuhs vor allem wichtig, dass ich keine Probleme mit meiner persönlichen Schwachstelle, der Achillessehne, bekomme. Dafür ist mir eine gute Stabilität in der Ferse wichtig, welches der Schuh mit einer doppelten Unterstützung im Fersenbereich, der sogenannten Fitcounter-Fersenkappe, erfüllt. In der Mitte der Fersenkappe gibt es eine Aussparung mit weichem Material, sodass ich auch nach mehr als 100 gelaufenen Kilometern im Adidas Ultraboost 20 kein Zwicken der Sehne verspürt habe.

Zwar ist die Optik des Schuhs für mich kein entscheidendes Kriterium, nichtsdestotrotz gefällt mir das Design richtig gut und ist auch in der ISS Sonderedition mal wieder ein richtiger Hingucker geworden. Zusammenfassend ist der Adidas Ultraboost 20 definitiv ein Wohlfühlschuh für Neutralschuhläufer, den ich vor allem für längere Läufe bis 3:30 min/km empfehlen kann. Der Schuh macht insbesondere auf Asphalt Spaß und ist momentan bei lockeren Läufen auf der Straße mein persönlicher Favorit.

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