SportScheck Run Hamburg 2019: Nachtlauf um die Alster

Sieben Stunden Zugfahrt, um zwei Runden um die Alster zu laufen? SportScheck Autorin Birgit ist von München nach Hamburg gereist, um beim RUN zu starten. Ob es sich gelohnt hat? Na klar – schließlich ist der RUN im Hamburg so viel mehr, als nur zwei Runden um die Alster. Ein Race Bericht.
Top Stimmung beim SportScheck Lauf in Hamburg
Stimmung? On Point!

Zugegeben, ein wenig unmotiviert bin ich schon, als der Race-Day-Wecker um 5.40 Uhr klingelt. Doch wenn man für einen Nachtlauf am anderen Ende Deutschlands gemeldet ist, muss man auch als Night Runner zum Early Bird werden – zumindest, um den Zug dorthin zu erwischen. Um eines schon vorweg zu nehmen: Ich würde es wieder tun, sowohl in Hamburg starten, als auch mit dem Zug anreisen. Beim nächsten Mal werde ich allerdings die Kompressionskniestrümpfe schon bei der Anreise tragen, denn sieben Stunden Bahnfahrt machten mir beim RUN die Läuferbeine schwer.

Warum Hamburg? Warum Laufreisen?

Ich liebe es, ein Laufevent mit einem Wochenendtrip zu verbinden. Häufig führen die Strecken an Sehenswürdigkeiten vorbei oder durch die schönsten grünen Ecken der City. So kann man eine Stadt einmal vollkommen anders erkunden, inklusive jeder Menge Adrenalin, guter Stimmung und der Medaille als Souvenir. Zu Hamburg habe ich eine ganz besondere Lauf-Beziehung. 2018 bin ich dort meinen dritten und wohl schönsten Halbmarathon gelaufen – nur einen Tag, bevor ich vollkommen unerwartet aus gesundheitlichen Gründen monatelang pausieren musste. Jetzt, ein knappes Jahr später, kribbelte es mir in den Läuferbeinen, hier den Kreis wieder zu schließen. Auf der 15km-Strecke wollte ich mir beweisen, dass ich all das hinter mir gelassen hatte und auf dem besten Weg war, Halbmarathon Nummer 4 den Kampf anzusagen.

SportScheck Run Hamburg um die Alster
Traumhafte Strecke rund um die Außenalster

Vor dem RUN

Für den SportScheck RUN in Hamburg habe ich mir keine Zeit-Ziele gesteckt. Besonders schnell war ich offen gesagt noch nie unterwegs und angesichts der Vorgeschichte habe ich keine Ambitionen auf eine neue Bestzeit. Gesund im Ziel ankommen und Spaß haben, so der Plan. In der Vorbereitung standen daher eher Waldläufe in meiner Wohlfühlpace (6min+) und Stabi-Training auf dem Programm, als Intervalle und Tempotraining. Zwei absolvierte 10km-Läufe und im Training bis zu 13km konnte ich vorab verbuchen. Ich bin daher guter Dinge für Hamburg.

Da ich erst am Event-Tag anreise, muss ich die Startunterlagen im Start-/Zielbereich an der Alster abholen. Das ist kein Problem – selten hielt ich mein Startpaket so schnell in den Händen. Ein Problem ist für mich hingegen das Wetter. Etwa 27 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit zeigt mir die Wetter-App an, als ich mich zurück im Hotel für den RUN bereit machte. Normalerweise würde ich das Ausdauertraining heute dem Kreislauf zuliebe ins Freibad verlagern…

Flatlay Outfit SportScheck Run Hamburg
Getting ready...

3, 2, 1 RUN! 

Freitagabend, 19.30 Uhr, zurück an der Alster. Als ich im Startbereich ankomme, herrscht bereits die typische Pre-Race-Stimmung. Ich liebe die Atmosphäre im Startblock. Egal, ob derjenige, der vorab die Glieder noch einmal ausschüttelt oder sich ganz in Ruhe auf den Lauf fokussiert oder aufgeregt mit den Laufbuddies schnattert – alle Starter verbreiten eine Energie, von der sich vermutlich selbst der größte Couch Potato anstecken lassen würde. Auch ich vergesse temporär die drückend-schwüle Abendluft und freue mich auf meinen RUN.

Mit dem Startschuss um 20 Uhr geht es los. Meist gehöre ich zu den Kandidaten, die den berüchtigten Fehler machen, sich auf den ersten Kilometern von der Menge zu schnell mitziehen zu lassen. Nicht heute. Meine Beine sind schwer und ich habe von Anfang an Probleme, in meinen Rhythmus und meine Pace hineinzufinden. Bereits nach 3km stelle ich mir die Frage, die ich eigentlich nach frühestens 13 vermutet hatte: Was mache ich eigentlich hier – und wenn ja, warum? Und plötzlich treffe ich dann auch noch einen alten Bekannten an der Alster: Das Runner’s Knee, dem ich eigentlich schon vor über einem Jahr Adieu gesagt hatte. Manchmal, da läuft es einfach nicht. Lauf abbrechen? Kommt vorerst trotzdem nicht infrage. Jetzt kann nur noch einer helfen: Jeff Galloway.

SportScheck Nachtlauf Hamburg 2019

Jeff Galloway Methode: 10 plus 1 macht 15

Als mein erster Halbmarathon vor der Tür stand, war ich mäßig vorbereitet (nicht nachmachen!). Damals hatte ich mich informiert, wie ich trotzdem eine Chance habe, den Stuttgart-Lauf zu finishen. So wurde ich auf die Run-Walk-Run Methode nach dem amerikanischen Laufguru Jeff Galloway aufmerksam. Kurz gesagt: Zehn Minuten Laufen und eine Minute Gehen im Wechsel, um zwischenzeitlich andere Muskelgruppen zu be- und entlasten und psychisch am Ball zu bleiben. Bis zur nächsten Gehpause sind es schließlich nur zehn Minuten…

Damals mein Schlüssel zum Erfolg, heute mein Retter in der Not. Ich beschließe, auf meinen Körper zu hören und es spontan noch einmal mit dieser Taktik zu versuchen. Was soll ich sagen? Der Druck ist mit dieser Entscheidung abgefallen, der Knieschmerz hält sich in Grenzen. Ein bisschen neidisch auf die 7,5km-Läufer blicke ich zwar auf den Zieleinlauf, als ich daran vorbei laufe und die zweite Runde um die Alster antrete. Aber auf einmal sind die anfänglichen Probleme fast vergessen. Es ist immer noch schwül und das Knie ist nach wie vor bemerkbar, aber plötzlich finde ich den Spaß an der Sache wieder – und mit ihm auch den Ehrgeiz, zu finishen.

Butter bei die Fische!

Auf der zweiten Runden weiß ich wieder, warum ich das eigentlich so gerne mache. Meine Beine fliegen wie von selbst, ich genieße die traumhaft schöne Laufstrecke und klatsche mit den Kindern am Straßenrand ab. Die Stimmung ist toll – auf und neben der Strecke. Meine Zielzeit wird alles andere als ruhmreich, aber ich bin voller Endorphine, selbst als auf dem 13. Kilometer der Knieschmerz immer schärfer wird. Denn da weiß ich bereits: Ich habe es schon geschafft. Die letzten beiden Kilometer sind jetzt auch geschenkt.

Race Bericht SportScheck Run Hamburg
Vorher: Vorfreude auf den RUN | Nachher: erschöpft, aber glücklich

Ich laufe noch einen schnellen letzten Kilometer – das Knie tut nun so oder so weh – und schaffe es strahlend ins Ziel. Durchgeschwitzt exe ich mehrere Becher Wasser, futtere glücklich ein Franzbrötchen (beste Zielverpflegung!) und hole mir die verdiente Medaille ab. Fazit? Laufen in Hamburg rockt! Ausdauertechnisch konnte ich die 15 Kilometer locker bewältigen – und was das Runner’s Knee für meine weiteren Laufpläne in 2019 bedeutet, damit setze ich mich frühestens morgen auseinander. Nun genieße ich die Stimmung im Ziel und sehe mir den Start der 7,5km-Läufer um 22 Uhr an. Mittlerweile ist es dunkel. Wäre eigentlich klasse, jetzt nochmal eine Runde drehen zu können…

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