Tourenbindung Berater –
So erleichterst du dir den Aufstieg

 

Bild: WP-Schmiede/Bernhard Mairhofer

Die Tourenbindung ist eines der wichtigsten und komplexesten Teile deiner Skitourenausrüstung. Pin-Bindung, Rahmenbindung, superleicht, abfahrtsorientiert, aufstiegsorientiert, Gehmodus, Steighilfe, das alles sind Begriffe, die dir beim Kauf einer Tourenbindung über den Weg laufen werden. Nach dem Tourenski-Kauf steht der Kauf der Tourenbindung an und es wird Zeit, sich dem Thema zu widmen. Es ist umfangreich und auch ein wenig komplex, wir versuchen dir hier informierend zur Seite zu stehen.

Wir stellen dir die verschiedenen Bindungstypen mit all ihren Vor- und Nachteilen vor. So kannst du dir nach und nach einen Überblick verschaffen. Um das ganze noch ein wenig übersichtlicher zu machen, haben wir versucht die Tourenbindungen nach Tourengehertypen zu kategorisieren.

Tourenbindungen: Für jeden die Richtige

Bist du mehr ein Genusstourengeher, der es beim Aufstieg gerne ein wenig ruhiger angehen lässt? Ein Teilstück mit dem Lift zu überwinden ist auch in Ordnung, Hauptsache am Ende steht eine sensationelle Powderabfahrt und die ersten Line? Dann bist du beim Kauf deiner Tourenbindung nicht so sehr auf das Gewicht fixiert und deine Bindung kann ruhig ein wenig paar Gramm mehr wiegen.

Oder streifst du dir gerne das superleichte Tourenoutfit über und sprintest den Berg rauf, vielleicht auch zwei- dreimal? Hauptsache der Aufstieg ist fordernd und knackig? In dem Fall bedeutet für dich jedes Gramm weniger, ein paar Höhenmeter mehr, ohne dass dir die Oberschenkel vorzeitig einen Strich durch die Rechnung machen.

Tourenbindung aufstiegsbereit
Bild: WP-Schmiede/Christin Baudis

Tourenbindung kaufen – keine leichte Entscheidung

Dynafit, Fritschi oder Marker, Pin- oder Rahmenbindung – hier bekommst du einen kleinen Einblick.

Das Zusammenstellen einer funktionalen und effizienten Ausrüstung für eine Skitour ist und bleibt ein schwieriges Thema. Viele Faktoren spielen eine Rolle. Mit der Wahl der richtigen Bindung kann man sich sowohl das Tourenleben um einiges leichter machen, als auch die Oberschenkel für die Abfahrt schonen.

Generell sind Tourenbindungen ähnlich aufgebaut wie Alpinbindungen. Sie bestehen aus einem Vorder- und einem Hinterbacken. Das sind die Teile, die den Skischuh an Spitze und Ferse in der Bindung halten.

In steilerem Gelände hat man die Möglichkeit, Steighilfen auszuklappen. Das sind je nach Tourenbindungssystem kleine Platten oder U-förmige Hebel. Sie verändern den Winkel zwischen Ferse und Ski, indem sie die Ferse ein wenig anheben. Im Prinzip wie bei einem Stöckelschuh. An einem steileren Teilstück während der Skitour, ist nichts nerviger als mit dem Stock nach der Steighilfe zu pfriemeln. Deshalb achtet beim Kauf des Tourenstocks auf einen stabilen Teller, der beim Ausklappen des Bügels nicht gleich nachgibt. In der Regel hast du die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Steighöhen. Probiere einfach aus, welche für dich in welchem Gelände am besten funktioniert.

Im Groben gibt es bei Tourenbindungen zwei unterschiedliche Systeme:

1. Tourenbindung – Pin-Bindung

Pin-Bindung Vorderbacken
Pin-Bindung Vorderbacken (Bild: WP Schmiede/Christin Baudis)

 

Pinbindung Hinterbacken
Pinbindung Hinterbacken (Bild: WP Schmiede/Christin Baudis

 

Vorder- und Hinterbacken sind, anders als bei der Alpinbindung, nicht miteinander verbunden. Das heißt es sind zwei einzelne Teile. Zum Aufstieg steigst du mit der Tourenschuhspitze in den Vorderbacken ein. Achte darauf, dass du wirklich genau einsteigst, sonst rasten die zwei kleinen Metalldornen (Pins) nicht richtig in den Skischuh ein. Mit einer Verriegelung fixierst du das Ganze dann noch. Das verhindert, dass du mit deinem Skischuh aus Versehen aus der Bindung rutschst. Wird das Gelände dann allmählich steiler, erleichtern dir die Steighilfen den Aufstieg.

Ruckzuck wieder abfahrbereit

Am Ziel angekommen? Ok jetzt erst einmal die Aussicht genießen und dann bereit machen zur Abfahrt. Solltest du die Steighilfen verwendet haben, klappe sie wieder ein. Oder bist du schon einmal auf High Heels den Berg runter gefahren? So oder so ähnlich würde es sich wohl mit aufgestellten Bügeln anfühlen. Am Vorderbacken der Pin-Bindung ist ein kleiner Hebel, der zum Abfahren auf den Modus „Ski“ gestellt werden muss. Der Einstieg mit der Ferse funktioniert ähnlich wie bei einer Alpinbindung.

Druck auf die Ferse

Mit ein bisschen Schmalz rasten die Metallstifte der Pin-Bindung im Schuh ein. Wichtig ist, dass man vorne wie hinten richtig eingehakt ist. Bei Pappschnee oder wenn sich Eis in der Bindung gesammelt hat, gestaltet sich das manchmal ein wenig schwierig. Während dem Umstellen der Tourenskibindung von „Walk“ auf „Ski“ kann man die ganze Zeit in der Bindung eingerastet bleiben.

Pro Pin-Bindung

Der größte Vorteil der Pin-Bindung ist das geringe Gewicht. Gerade auf langen Tages- oder mehrtägigen Skitouren spielt jedes Gramm bei der Tourenskiausrüstung eine Rolle, das spart Kraft. Im „Gehmodus“ ist die Ferse frei, das heißt man hebt das Gewicht des Tourenskischuhs. Durch die Pins an der Spitze des Schuhs entsteht ein guter Drehpunkt, der das Aufsteigen erleichtert. Der Bewegungsablauf ähnelt dem normalen Gehen sehr.
Ein weiterer Vorteil ist die niedrige Standhöhe. Zwischen Tourenski und Tourenschuh ist nicht viel Raum. Dadurch entsteht eine ziemlich direkte Kraftübertragung auf den Ski bei der Abfahrt.

Bild: WP Schmiede/Christin Baudis

Pin-Bindung sucht Tourenschuh

Wer sich für eine solche Tourenbindung entscheidet, braucht den passenden Skischuh dazu. Es muss ein spezieller Tourenschuh sein, der an der Spitze und der Ferse die nötigen Vorrichtungen für die Pins hat. Der Fischer Transalp Vaccuum zum Beispiel verfügt über die nötigen Vorrichtungen. Im Endeffekt sind es zwei kleine Vertiefungen an der Skischuhspitze, in denen die Bindung einrastet. Bei normalen Alpinskischuhen fehlen diese Löcher, deshalb kannst du das so nicht miteinander kombinieren.
Hersteller wie Dynafit haben sich auf diese ultraleichten Tourenbindungen spezialisiert. Die TLT Speed Radical ist ein Vorzeigemodell aus dem Bereich Pin-Bindungen. Im Hause Marker entstand eine völlig neue Hybridlösung, die Marker Kingpin.

Fazit: Aufstiegsorientiert

So viel Funktionalität bei so wenig Gewicht wie möglich lautet die Devise der Pin-Bindungen. Träumst du also von langen, knackigen Aufstiegen, bei denen dir die Oberschenkel brennen? Dann ist das der richtige Bindungstyp für dich. Für jedes Gramm weniger, greift man allerdings ein weniger tiefer in die Tasche. Preislich starten die Tourenbindungen etwa bei 350€.

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Tourenbindung – Rahmenbindung

Bei diesem System sind Vorder- und Hinterbacken miteinander verbunden. Vor dem Aufstieg legst du zwischen Spitze und Ferse einen Hebel in den „Walkmodus“ um. Dadurch löst sich der Steg, der Vorder- und Hinterbacken miteinander verbindet, von der Führungsschiene auf dem Ski. Die Position der Bindung verändert sich, sie rutscht ein paar Zentimeter weiter nach vorne. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt, was dir den Aufstieg erleichtert.

Zum Aufstieg bereit

Der Einstieg in die Tourenbindung funktioniert gleich wie bei einer Alpinbindung. Fußspitze und Ferse sind in der Bindung verankert. Wenn man nun läuft, hebt sich die Ferse samt der Bindung an. Im Gegensatz zur Pin-Bindung kostet das natürlich mehr Kraft, da du bei jedem Schritt mehr Gewicht heben musst. Lange, steile Touren verlangen demzufolge nach kräftigen Oberschenkeln und guter Kondition. Die Steighilfen sind auch bei der Rahmenbindung eine willkommene Erleichterung im steilen Gelände.

Schnell bereit für die Powderpiste

Zum Abfahren stellst du die Bindung wieder in den „Skimodus“ um. Dazu steigst du mit dem Skischuh aus der Tourenbindung aus und legst den Hebel in der Mitte der Bindung wieder um. Achte darauf, dass die Rahmenbindung weitgehend schnee- und eisfrei ist. Sonst verbindet sich die Führungsschiene auf dem Ski nicht richtig mit der Schiene unter deiner Schuhsohle. Ist alles richtig eingerastet, umgestellt und festgeschnallt, steht der wohlverdienten Powderabfahrt nichts mehr im Wege. Und mal im Ernst, deshalb laufen wir doch rauf, nämlich um die erste Line in einen unverspurten Hang zu ziehen und sich den Neuschnee um die Nase sprühen zu lassen.

Durch die robuste Bauweise der Tourenbindung hält sie extremeren Belastungen stand. So ist der z-Wert einer Rahmenbindung auch nicht selten jenseits von 10 und bietet damit die Option die Bindung sehr streng einzustellen. Gerade im Freeride Tourenbereich sind diese Rahmenbindungen sehr beliebt. Sprünge oder wilde Ritte durch frischen Powder sind damit kein Problem.

Die Standhöhe ist höher als bei der Pin-Bindung. Der Kantendruck wird dadurch ein wenig geringer und der Kantenwechsel verlangsamt. Im Tiefschnee stellt das allerdings kein Problem dar.

Tourenbindung Rahmenbindung
Bild: WP Schmiede/Christin Baudis

 

Theoretisch funktioniert es auch mit dem Alpinschuh

Rahmenbindungen setzen keine speziellen Tourenskischuhe voraus. Theoretisch funktioniert jeder herkömmliche Alpinskischuh. Zu empfehlen sind diese beim Aufstieg allerdings nicht. Wer das schon einmal probiert hat, weiß wovon ich spreche. Nach einer erfolgreichen Tour sollte man sich mit einem Absacker belohnen können und nicht die Wunden des Tages in Form von Blasen und Druckstellen lecken müssen.

Marker und Fritschi sind im Bereich Rahmenbindungen echte Spezialisten. Mit der Fritschi Diamir Scout 11 zum Beispiel, bekommt man eine äußerst robuste Tourenbindung, die zudem so leicht wie möglich gebaut wurde. Im Vergleich zu einer Pin-Bindung kann eine Rahmenbindung aber einfach nicht mithalten. Die Diamir Scout 11 wiegt 790 Gramm pro Ski, wogegen die Dynafit TLT Speed Radical nur 370g auf den Ski bringt.

Fazit: Abfahrtsorientiert

Für begeisterte Freerider, die sich gerne mal einen breiteren Ski unter die Füße schnallen, ist eine Rahmenbindung ideal. Gerade für kurze bis mittellange Aufstiege mit einer langen Genussabfahrt empfehlen sich diese Modelle. Wer Oberschenkel wie Markus Wasmeier hat, schafft natürlich auch knackige Mehrtagestouren mit einer solchen Bindung.

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