Immer öfter sieht man sie abseits der Pisten und beim Skitouren gehen – Airbagrucksäcke oder auch kurz ABS-Rucksack genannt. Sie sind leicht am Auslöser meist am linken Gurt des Rucksacks zu erkennen. Er beinhaltet eine Art zusammen gefaltetes Luftkissen, welches mittels einer Gaskartusche im Falle eines Lawinenabgangs aufgeblasen wird. Du ziehst am Auslöser und die Kartusche entleert sich. Deine Fläche vergrößert sich und so „schwimmst“ du in der Lawine weiter oben auf und wirst im besten Fall nicht tief unter den Schneemaßen begraben. Das Prinzip kennt eigentlich jeder vom Frühstückstisch. Schüttelst du dein Müsliglas ein bisschen setzen sich kleinere Teile weiter unten ab, die größeren weiter oben. Mittels des Lawinenrucksacks bist du also eher eine Nuss in der Lawine, als eine Haferflocke. Im Großen und Ganzen funktionieren die ABS-Rucksäcke verschiedener Hersteller ähnlich und nur das Cover, also die Rucksackhülle ist eine andere. Ein paar Unterschiede gibt es dennoch, auch in der Funktionsart.

Wie funktioniert ein ABS-Rucksack?

Das ABS-Rucksack-Lawinenairbag-System baut auf der sogenannten Base-Unit auf. Darin ist die Patrone, die Lawinenairbags und der Auslöser enthalten. Auf diese Basis-Einheit kannst du unterschiedliche Rucksack-Größen per Reißverschluss anbinden. Dadurch bist du flexibel und kannst sowohl für einen Tag beim Freeriden, als auch für eine längere Skitour packen. Es gibt viele Anbieter, die das ABS-System in ihre Rucksäcke integrieren. Du kannst also auch modisch das passende Modell für dich aussuchen.

Falls ein Wintersportler von einer Lawine erfasst wird, zählt nur noch eines: an der Oberfläche bleiben, um das Verlegungsrisiko zu minimieren und möglichst schnell geborgen zu werden. Das Zusätzliche Volumen und die Auftriebsfläche der ABS® (= Avalanche Airbag System) Doppelairbags bilden mit dem Körper eine optimale Auflagefläche.

 

Das ABS-System ermöglicht es dir, in wenigen Sekunden einen Airbag aufblasen zu lassen, der dafür sorgt, dass du nicht von der Lawine begraben wirst. Das erhöht die Überlebenschancen. Sobald du an der Oberfläche der Lawine gehalten wirst, finden dich andere schneller und die Gefahr zu ersticken wird minimiert. Dennoch können durch das System nicht alle Gefahren ausgeschlossen werden. Du bist immer noch für dich und deine Umwelt verantwortlich.

Frau mit Skihelm und ABS-Rucksack

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Lawinen-Notfall - so handelst du richtig!

Phase 1: Lawinenabriss

Sobald sich ein Schneebrett löst, ist schnelles Reaktionsvermögen gefragt. Nicht nur beim Wintersportler, sondern auch bei seinem Lawinenrucksack.

Was ist zu tun?
1. Sofort am Auslösegriff des Airbags ziehen
2. Versuchen seitwärts aus der Gefahrenzone zu fliehen

Vorteile ABS:
• immer einsatzbereit (kein Auf- und Entladen)
• schnell und zuverlässig auslösbar (auch durch Dritte)
• freie Sicht und volle Bewegungsfreiheit für Flucht- und Ausweichmanöver

Lawinenabriss - zur Seite entfernen, schematische Darstellung

Lawinenabsturz mit ausgelöstem ABS Rucksack - schematische Darstellung

Phase 2: Lawinenabsturz

Innerhalb einer Lawine wirken tonnenschwere Kräfte in von Schicht zu Schicht unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten. Daher gilt es eine senkrechte Position des Körpers in den Schneemassen unbedingt zu vermeiden.

Vorteile ABS:
• Körper und Airbags bilden eine waagerechte Auflagefläche
• der beidseitig angebrachte Doppelairbag stabilisiert den Körper
• auch bei hohem Schneedruck und tiefen Temperaturen werden die Airbags prall gefüllt
• der Doppelairbag ist redundant gegen Beschädigungen abgesichert

Phase 3: Lawinenauslauf

In der Auslaufphase lagern sich die Schneemassen von unten nach oben ab und verdichten sich sofort. In senkrechter Position würde man Gefahr laufen stecken zu bleiben und von nachrutschenden Schneemassen verschüttet zu werden. Nicht so mit ABS.

Vorteile ABS:
• Doppelairbag und Körper bilden zusammen eine Gleitfläche
• Mitfließen bis zum Stillstand der Lawine möglich
• der rund um die Körpermitte angebrachte Doppelairbag fördert eine stabile horizontale Lage
• sichtbare Lawinenopfer ohne schwerwiegende Verletzungen haben beste Überlebenschancen

Lawinenauslauf - sich aus der Lawine befreien, schematische Darstellung

Wie ist ein ABS Rucksack aufgebaut?

Es gibt zwei unterschiedliche Varianten. Einmal die zweiteiligen ABS Rucksäcke, bestehend aus einer Base Unit, die das eigentliche Airbag-System trägt, sowie einer Zip-On-Einheit, die den eigentlichen Packsack bildet.

Base Unit

Bei den Base Units gibt es zwei Modelle:

1. Die Vario Base Unit mit Rückenplatte und Trägern eines klassischen Alpinrucksacks, erhältlich in zwei Größen.

2. Die etwas leichtere Powder Base Unit, die eher freerideorientiert ist und über einen Neopren Hüftgurt verfügt.

Zu den Baseunits

 

Die Zip-Ons

An die Base Units zippst du per Reißverschluss verschiedene Zip-On Packsäcke. Dabei hast du nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Größen der Packsäcke, sondern kannst aus dem Angebot mehrerer Hersteller wählen.

Zu den Zip-Ons

 

Die zweite Variante hat die Auslöseeinheit direkt in den Rucksack integriert. Hersteller wie beispielsweise Deuter oder Ortovox haben sich für diese Variante entschieden.

Welches jetzt für dich die geeignete Variante ist, solltest du dir gut überlegen. Brauchst du den Rucksack nur für ein bestimmtes Einsatzgebiet kannst du ruhig auf eine kombinierte Variante zurück greifen. Möchtest du den Packsack und damit das Packvolumen je nach Verwendungszweck des Rucksacks wechseln, empfiehlt sich eher die Variante der Zip-On Packsäcke.

 

ABS P.RIDE

Mit der ABS P.RIDE Ausführung kannst du per Funk Gruppenzündungen oder einzelne Rucksäcke von Gruppenmitgliedern auslösen. Klingt spannend, ist es auch.

mehr Infos bekommst du hier

Die Gaskartusche

Hast du deinen Rucksack ausgewählt, bzw. zusammengestellt, musst du dich entscheiden, welche Art von Gas-Kartusche du verwenden willst. Zur Wahl steht je ein Modell aus Stahl und Carbon, die sich in Gewicht und Preis unterscheiden. Bist du auf eine möglichst leichte Ausrüstung aus, solltest du dich für die Carbonausführung entscheiden. Du sparst dir etwa die Hälfte an Gewicht, was gerade bei langen Skitouren wichtige Kräfte spart.

Allerdings ist die Stahlkartusche günstiger und wenn du zum Freeriden im Gelände unterwegs bist, ist es dir unter Umständen egal, ob du ein wenig mehr Gewicht auf dem Rücken hast.

Vorteile ABS-Rucksack (laut Hersteller)

  • Liegeposition in der Lawine und dadurch weniger Rotation des Körpers
  • Aufschwimmen auf der Lawine (Verringerung der Verschüttungstiefe)
  • Mitfließen mit der Lawine

ABER ACHTUNG: Der Lawinenairbag verringert nicht die Lawinengefahr. Die vermittelte Sicherheit kann zu Leichtsinn führen.

ABS-Rucksack auslösen

Das Auslösen des ABS-Rucksacks geht ganz einfach. Du betätigst einen Hebel und der Lawinenairbag bläst sich innerhalb von Sekunden auf. Er stört dein Sichtfeld nicht, sodass du trotzdem weiterhin deine Line in Richtung Sicherheitsinsel suchen kannst.

Stürzt die Lawine mit dir den Berg hinab, hilft dir der ABS-Lawinenrucksack dabei, dass du eine horizontale liegende Position oben auf der Lawine behältst. Dabei wird der Effekt genutzt, dass du mit deinem vergrößerten Volumen an die Oberfläche der Lawine getragen wirst. Dort soll dich der Lawinenairbag-Rucksack halten. Das verringert das Risiko eines Aufpralls auf Felsen oder Bäume, sowie der Verschüttung und damit der Erstickung. Das sind zwei Faktoren, die bei einem Lawinenunglück eine große Gefahr darstellen.

Es bleiben aber noch andere Gefahren bestehen, die nicht zu verachten sind. Ein Lawinenrucksack wird dich nie vollständig schützen, sondern er erhöht die Überlebenschancen. Das aber auch nur, wenn du den Rucksack im heiklen Moment richtig anwendest.

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